32. Rittner Bahn, Kabinenbahn Bozen–Oberbozen
Die Rittner Bahn verbindet seit 1907 technische Pionierleistung mit der Erschließung des Rittner Hochplateaus. Nach der historischen Zahnradbahn und der ersten Seilbahn von 1966 ging 2009 die weltweit erste 3S-Bahn ihrer Art in Betrieb. Sie bringt Pendler und Gäste in zwölf Minuten von Bozen nach Oberbozen, während die historische Bahnstrecke nach Klobenstein erhalten blieb. Mit mehr als 1,3 Millionen Fahrgästen jährlich ist die Rittner Seilbahn heute ein bedeutendes, nachhaltiges Verkehrsmittel und zugleich ein Wahrzeichen der Region.
DATEN
Das Technikensemble Rittner Bahn blickt seit 1907 auf eine Erfolgsgeschichte zurück. Projektant und Erbauer der Zahnradbahn von Bozen nach Oberbozen war Tirols Eisenbahnpionier Josef Riehl. Die Bahn – erste und einzige elektrisch betriebene Zahnradbahn
Tirols und nach der Bahn Triest–Opicina die zweite in der DonauMonarchie – galt als technische Meisterleistung, überwand sie doch auf einer Trassenlänge von 11,7 km im 4,1 km langen Steilstück eine Steigung von 22,2 %.
Die Bahn brachte die „Hautevolee” in den Sommersalon am Bozner Hochplateau (1.190 m), das mit seinen steil abfallenden Porphyrwänden einen fantastischen Rundblick auf das landschaftliche Kontrastprogramm von erhabener Bergwelt und südlichem Klima bietet. Begaben sich die reichen Bozner Bürger seit dem 15. Jahrhundert mit der Rittner Penne, einem eigenen Pferdefuhrwerk, in die legendäre Sommerfrische, so beförderte die Bahn seit der Gründerzeit die Ausflügler in einer Stunde und 20 Minuten in die Höhe. Bis Maria Himmelfahrt wurde der Waggon von einer 14 Tonnen schweren E-Lok auf der 4,1 km langen Zahnstange geschoben, bevor er dann bis zur Endstation nach Klobenstein mit eigenem Motor weiterfuhr. Zubringer war seit 1909 die Bozner Straßenbahnlinie Gries–Bozen mit Halt am Waltherplatz, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelassen wurde. 1912 schreibt Dolomitensagen-Verfasser Karl Felix Wolf: „Gegenwärtig ist Bozen von fünf Bergbahnen umgeben (Kohlern, Guntschnà, Virgl, Ritten, Mendel). Die sechste (Atzwang–St. Konstantin) wird in Kürze gebaut. Es gibt weltweit keine andere Stadt, die sich mit Bozen messen kann.“
Nach dem Unfall von 1964 mit vier Toten und mehreren Verletzten beschloss die Betreibergesellschaft Fear/Rittner Bahn AG, eine neue, kostengünstigere Seilbahn zu bauen. Die alte Ein-MeterSchmalspurbahn fährt heute noch im Anschluss an die Seilbahn, zum Teil mit historischen Originaltriebwagen aus der Belle Époque, von Oberbozen ostwärts nach Klobenstein und westwärts nach Maria Himmelfahrt.
Die Seilbahn Bozen–Oberbozen wurde zu jener Zeit als „die längste der Welt ohne Unterbrechung” sogar im Guinness-Buch der Rekorde erwähnt. Sie überwand in nur 12 Minuten eine Gesamtlänge von 4,6 km und einen Höhenunterschied von 951 m.
Technischer Steckbrief: Gesamtlänge: 4.565,6 m; Geschwindigkeit: 8 m/s (entspricht ca. 30 km/h); Fahrzeit: 12 Minuten; Fahrzeugkapazität: 50 Personen; acht Stützen; Tragseildurchmesser: 52 mm; Zugseildurchmesser: 27 mm; Nutzlast: 3.600 kg; Eröffnung der Bahn: 14. Juli 1966; Erbauer: Ceretti Tanfani, Mailand. Das Tragseil musste aufgrund des Gewichtes in zwei Teilen produziert und auf der Stütze Nr. 1 verankert werden. Bereits damals kam es für den Fahrgast während der Fahrt zweimal zu einer Verzögerung, da der Bereich der Tragseilunterbrechung langsam durchfahren wurde.
Diese Seilbahn wurde im September 2007 geschlossen und bis März 2008 abgerissen, um sie durch eine neue Kabinen-Umlaufbahn zu ersetzen. Die neue Rittner Seilbahn wurde am 23. Mai 2009 eröffnet.
Die neue Rittner Seilbahn benötigt nur noch sieben Stützen, das längste Spannfeld zwischen den Stützen hat 958 m. Im Gegensatz zur alten Pendelbahn ist sie eine 3S-Bahn mit zwei Tragseilen von 47 mm Durchmesser und einem Zugseil von 40 mm Durchmesser, das mehrere Kabinen bewegt. Jede Kabine hat eine Kapazität von 35 Plätzen (24 Sitz- und elf Stehplätze). Etwa alle drei Minuten verlässt eine Kabine die Station und erreicht in zwölf Minuten das Rittner Hochplateau. Eine klassische 3S-Bahn hätte aufgrund der engen Platzverhältnisse in der Tal- und Bergstation niemals gebaut werden können. Der damalige Direktor des Amtes für Seilbahnen Ing. Markus Pitscheider hatte die Idee, die Kabinen gleichzeitig in beiden Stationen bei langsamer Seil-Geschwindigkeit ein- und auskuppeln zu lassen. Somit wird die Geschwindigkeit alle drei Minuten von 6 auf 3 m/s reduziert. Dies ermöglicht kürzere Stationen und somit die 3S-Bahn-Technologie für diese Strecke. Es ist weltweit die erste 3S-Bahn dieser Art und die erste 3S-Bahn der Firma Leitner.
Um die Förderkapazität auf 720 Pers/h zu erhöhen, wurde fünf Jahre später die Anzahl der umlaufenden Kabinen von acht auf zehn erhöht, eine Option, die vertraglich vorgesehen war. Die Jahresförderleistung ist nunmehr auf über 1,3 Millionen Passagiere gestiegen, da die Seilbahn sowohl bei Pendlern als auch bei Touristen sehr beliebt ist.






