31. Rittner Schmalspurbahn Maria Himmelfahrt-Oberbozen-Klobenstein
Die Rittner Bahn wurde 1907 als erste elektrisch betriebene Schmalspurbahn Südtirols eröffnet und machte den Ritten für ein breiteres Publikum erreichbar. Während die frühere Zahnradstrecke von Bozen 1966 durch die heutige Seilbahn ersetzt wurde, ist die Bahnlinie zwischen Maria Himmelfahrt und Klobenstein bis heute erhalten. Sie verbindet Geschichte, Alltag und Landschaft: Als wichtiges Verkehrsmittel für Pendler und Schüler bietet sie zugleich ein nostalgisches Reiseerlebnis durch Wiesen und Wälder mit weitem Blick auf die Dolomiten.
DATEN
Man schrieb den 13. August 1907, als die ursprüngliche Rittner Bahn, die vom Waltherplatz im Zentrum von Bozen direkt auf den Ritten heraufführte, feierlich eröffnet wurde. Knapp 1.000 Höhenmeter überwand die Bahn im Abschnitt zwischen Bozen und Maria Himmelfahrt mithilfe eines Zahnradantriebs, bevor es von Himmelfahrt aus mit geringfügigen Steigungen weiter bis nach Oberbozen, Lichtenstern und Klobenstein ging.
1966 wurde die Zahnradstrecke aufgelassen und eine zeitgemäße Seilschwebebahn von Bozen nach Oberbozen errichtet. Geblieben ist jedoch die Schmalspurbahn, die heute die letzte ihrer Art in ganz Südtirol ist. Sie verkehrt nunmehr zwischen Oberbozen und Klobenstein als Hauptstrecke und einige Male auf der Nebenstrecke Maria Himmelfahrt-Oberbozen mit historischen und moderneren Triebwagen.
Das Oberbozner Aufnahmsgebäude ist, analog zu Maria Himmelfahrt und Klobenstein, ebenfalls seit dem 10. August 1987 denkmalgeschützt. Es wurde 1991 renoviert und beherbergt seit 1997 im Bereich der ehemaligen Wartehalle auch ein kleines Museum zur Bahngeschichte, wozu die einst zum Bahnsteig hin offene Veranda eine Verglasung erhielt. Auf Bozner Seite befindet sich neben dem Aufnahmsgebäude der nach dem Erbauer der Rittner Bahn benannte Ing.-Josef-Riehl-Platz. Dort gibt es für die Fahrgäste eine freistehende Wartehalle, welche die Veranda ersetzte.
Die gesamte Streckenlänge der Adhäsionsbahn mit durchgehend ein Meter Spurbreite – deshalb Schmalspurbahn – beträgt 6,8 km, die Fahrzeit 18 Minuten von Oberbozen nach Klobenstein und 4 Minuten von Oberbozen nach Maria Himmelfahrt. Der Bahnhof Maria Himmelfahrt, wo die Züge früher das Hochplateau des Ritten erreichten und die Zahnradlokomotive abgekuppelt wurde, ist erhalten geblieben. Der obere Adhäsionsabschnitt weist zwischen Maria Himmelfahrt und Oberbozen seine Maximalsteigung von 4,5 % auf. Anschließend verläuft die Trasse fast eben bis Wolfsgruben, um ab dort mit maximal 3,0 % zum Kulminationspunkt Lichtenstern anzusteigen. Zwischen der höchsten Stelle und dem Endbahnhof beträgt das maximale Gegengefälle wiederum 3,0 %.
Die auf der Rittner Adhäsionsstrecke zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug ursprünglich 18 km/h, später auf 25 km/h erhöht, heute sind maximal 30 km/h erlaubt. Aufgrund des leichteren Schienenprofils war auch das zugelassene Höchstgewicht der Züge mit 35 Tonnen entsprechend niedriger als auf dem Zahnstangenabschnitt. Die durch dünn besiedeltes Gebiet führende und sehr kurvenreiche Adhäsionsstrecke auf dem Ritten verläuft, vollständig abseits der Straße trassiert, abwechselnd durch Bergwiesen und Lärchen- beziehungsweise Mischwälder. Sie bietet rechter Hand Ausblicke auf die Gebirgsstöcke der westlichen Dolomiten, vom Latemar, Rosengarten, Schlernmassiv bis hin zur Geislergruppe.
Der Ritten wird auch als das Herzstück Südtirols bezeichnet. Er ist jener breite Bergrücken aus Quarzporphyr, der sich von Bozen aufsteigend bis zum Rittner Horn (2260 m) erstreckt. Im Osten liegt das Eisacktal, im Süden der Talkessel von Bozen und im Westen das Sarntal.
Der Rittner Berg ist auf drei Seiten durch steile Abbrüche scharf begrenzt und geht nur im Norden fließend in das weite Almgebiet von Barbian und Villanders über. Durch diese Steilabstürze ist die freie und weite Rundsicht bedingt, die man von vielen Orten des Rittens aus hat. Es eröffnet sich ein prächtiger und einzigartiger Blick auf die westlichen Dolomiten, vom Rittner Horn aus sogar ein Rundumblick: ausgehende vom Schlern, Weiß- und Schwarzhorn, Monte Baldo, Bondone, Paganella, Brenta im Trentino, Cevedale, Ortler, Ötztaler, Stubaier und Zillertaler Alpen bis hin zum Peitler- und Langkofel, wo sich der Kreis schließt.
Die Gemeinde Ritten umfasst ein Gebiet von 111,48 Quadratkilometern und ist somit eine der größten Gemeinden Südtirols. Sie zählt ungefähr 6800 Einwohner. Gemeindehauptort ist Klobenstein. Die bedeutendsten Ortschaften sind neben Klobenstein, Oberbozen, Maria Himmelfahrt, Unterinn, Lengstein, Oberinn und Wangen.
Das Klima des Rittens ist verhältnismäßig trocken, wenn auch inneralpin, mit einem sommerlichen Niederschlagsmaximum und viel Sonnenschein. Die Niederschläge nehmen mit wachsender Meereshöhe und auf der westlichen Hälfte des Rittner Berges zu.
Oberbozen liegt auf 1220 m. Das Dorf ist ein beliebter Ort für Sommerfrische und Fremdenverkehr. Seine heutige Form entstammt hauptsächlich dem letzten Jahrhundert, einige alte Bauernhöfe und Villen haben sich bis heute erhalten, besonders sehenswert ist das traditionsreiche Hotel Holzner. In Oberbozen befindet sich die Bergstation der Seilbahn und der Bahnhof der Rittner Bahn für die Weiterfahrt nach Himmelfahrt oder Klobenstein. Von hier aus gehen auch viele Spaziergänge ab.
Maria Himmelfahrt befindet sich auf einer Meereshöhe von 1176 m. Es gilt als Juwel der Rittner Sommerfrischtradition mit den alten Herrschaftshäusern in parkähnlichen Wiesen. Der Schiess-Stand ist ein barocker Rundbau mit kunstvollen Schützenscheiben und gilt seit 1668 als Zentrum kultureller Geselligkeit.
Die ehemalige Bergfahrt hatte beim Bahnof der Rittner Bahn ihren Anfang, dort wo heute die Talstation der Seilbahn steht. Bei St. Magdalena führte die Strecke vorbei an Weingütern die steilen Berghänge hinauf. Dem Fahrgast bot sich nun ein herrliches Panorama, zuerst auf Bozen und das Etsch- und Eisacktal, dann auf die Dolomitenkulisse.
Nach Überwindung einer vorspringenden Felsnase führte die Trasse durch mehrere eingeschnittene Täler der Hochebene, bis sie bei der Haltestelle in Maria Himmelfahrt endete. Diese ist heute noch in Betrieb.
Erdpyramiden:
Am Ritten gibt es besonders hohe und formschöne Erdpyramiden, wie jene im Katzenbachtal unterhalb von Oberbozen, im Finsterbachtal, zwischen Lengmoos und Mittelberg, und in der Nähe von Unterinn. Das Material der Rittner Erdpyramiden ist ein späteiszeitlicher Moränenlehm, der sowohl von dem großen Eisacktaler Hauptgletscher als auch von lokalen Nebengletscher hier aufgeschüttet und zurückgelassen wurde. In trockenen Zustand ist dieser Rittner Moränenlehm steinhart, feucht wird er zu einem lehmigen Brei, welcher hangabwärts zu rutschen und fließen beginnt. Auf diese Weise rutscht und rutschte im Laufe der Jahre der durchnäßte Boden hangabwärts, hinab in den Bach, und wird dann von diesem fortgeschwemmt. Dieser ständige, immerfort zehrende Abrutsch des Moränenbodens findet erst dann ein vorläufiges Ende, wenn diese sogenannten rückschreitende Erosion auf Wald stößt, wo der darunterliegende Boden aschtrocken und darum beinhart ist und ein schnelles Abrutschen verhindert. So entstehen Steilwände mit einer Höhe von 10 und sogar 15 Metern, welche eine der Voraussetzungen für die Bildung der Erdpyramiden sind. Aus diesen Steilwänden werden nun die Erdpyramiden förmlich „herausgewaschen“, genauer gesagt: aus ihr herausgewittert, vorausgeschickt, dass sich im Moränenboden größere Steine befinden, die das unter ihnen liegende Moränenmaterial möglichst lange trocken und damit hart erhalten. Je höher die Steilwand und je höher oben in ihr der geeignete Stein vorhanden ist, um so höher und mächtiger wird dann die Pyramide werden.
Wie lange es braucht, bis sich die Erdpyramide herausgebildet hat, ist schwer zu sagen, da hier zu viele Komponenten zusammenspielen. Ebenso wenig lässt sich sagen, wie alt eine Erdpyramide ist oder werden kann. Sobald der Deckstein herabfällt, ist die Pyramide einem raschen Untergang geweiht. Während jedoch eine Pyramide verschwindet, bilden sich an einer anderen Stelle am Steilhang wieder eine neue heran, solange das riesige Moränenlager ausreicht.
Wandervorschlag zum Aussichtspunkt „Merltennen“:
Oberbozen – Waldpromenade – Merltennen – Maria Himmelfahrt – zurück (5 km, 1 ½ h): Markierung blau/weiß 4, Ausgangspunkt Geschäft „Marlen“ im Ortszentrum von Oberbozen, von dort gegen Westen durch den schattigen Wald zum Aussichtspunkt „Merltennen“, einem hölzernen Pavillon; Rückweg Markierung 4d nach rechts hinauf zum Gasthof Schluff und von dort auf Markierung Blau/Weiß 3 oder auch Rot/Weiß 2 nach Oberbozen zurück.
Anfahrt
Mit dem Auto
München – Rosenheim – Kufstein (A 12 Inntalautobahn, mautpflichtig) – Innsbruck (A 13 Brennerautobahn, mautpflichtig) – Brenner (A 22 Brennerautobahn, mautpflichtig oder Staatsstraße 12) – Bozen (Bozen Nord) – Richtung Stadtzentrum – bis Abzweigung Ritten
Mit dem Zug
über München – Innsbruck – Brenner – Bozen
über Linz – Salzburg – Innsbruck – Brenner – Bozen
über Zürich – Innsbruck – Brenner – Bozen
über Wien – Lienz – Bruneck – Brixen – Bozen
Mit dem Flugzeug
AirAlps – Linienflüge ab Bozen von/nach München und Rom Flughafen Bozen
Tel. +39 0471 255 255
Wegbeschreibung
Der ehemalige Bahnhof der Rittner Bahn befand sich dort, wo heute die Talstation der Seilbahn steht. In Maria Himmelfahrt hingegen ist ein Teil des Bahnhofs noch erhalten geblieben, nämlich die alte Remise neben der hölzernen Haltestelle.
Oberbozen stellt den Betriebsmittelpunkt der Bahn dar. Die Bahnhofsgebäude präsentieren sich als gepflegtes Ensemble und als bequeme Ein-, Aus- und Umsteigestelle der öffentlichen Verkehrsmittel Seilbahn und Lokalbahn. Direkt von der Bergstation der Seilbahn gelangt man über die Treppe oder die Rampe zur Haltestelle der Bahn. Die Abfahrten erfolgen stündlich und sind auf die Fahrzeiten der Seilbahn abgestimmt.
Rittnerbahn AG
Mitglieder der Rittnerbahn AG: Anton Graf von Ceschi, Bezirkshauptmann von Bozen; Dr. Julius Perathoner, Bürgermeister von Bozen, Reichsrat- und Landtagsabgeordneter; Sigismund Schwarz, Bankier in Bozen; Paul Christanell, Vizebürgermeister von Bozen und Handelsmann; Josef Riehl, Ingenieur und Bauunternehmer in Innsbruck; Dr. Wilhelm von Walter, Handelkammersekretär in Bozen; Dr. Edmund von Zallinger, Kurvorstand in Gries, Anton Mair, Hotelier in Klobenstein;
Ing. Dr. Josef Riehl Bozen/Innsbruck
Die Pläne für den Bahnbau wurden vom Bauunternehmen des Ing. Josef Riehl, einem gebürtigen Bozner (1842), ausgearbeitet. Sein Unternehmen übernahm die gesamten Ausführungsarbeiten.
Zur Geschichte der Rittner Bahn
46. Jahrgang, April 1972, Heft 4, Seite 207
AutorIn: Pallua, Peter
Herausgeber/Zeitschrift: Der Schlern
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 04.1972
Die Rittner Bahn
AutorIn: Pozzato, Francesco
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 1991
Die Rittner Bahn. Die Eisenbahn am Berg.
Das Büchlein ist anlässlich der 85-Jahr-Feier der Rittner Bahn erschienen.
AutorIn: Demar, Klaus
Herausgeber/Zeitschrift: Verkehrsamt Ritten – Rittner-Bahn-Komitee
Erscheinungsort: Ritten
Erscheinungdatum: 1992
Ritten. Berühmtes Mittelgebirge im Anblick der Dolomiten
AutorIn: Mahlknecht, Bruno
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 1998
Fallbeispiel Rittnerbahn: Öffentliche Verkehrspolitik im Stil privater Spekulanten. IN: Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol
Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol : Verkehrsgeschichte zwischen Kufstein und Ala im Spannungsfeld von Tourismus, Politik und Kultur / Elisabeth Baumgartner. Altösterreichisches Verkehrsdesign, Beispiel Rittner-Bahn / mit Beitr. von Giovanni Klaus König und Johann Stockklausner. Fotos von Oswald Kofler
S. 192 – 219
AutorIn: Baumgartner, Elisabeth
Verlag: Haymon-Verlag
Erscheinungsort: Innsbruck
Erscheinungdatum: 1989
Alt-österreichisches Verkehrsdesign. Die Rittner Bahn vor der Sanierung. IN: Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol
Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol : Verkehrsgeschichte zwischen Kufstein und Ala im Spannungsfeld von Tourismus, Politik und Kultur / Elisabeth Baumgartner. Altösterreichisches Verkehrsdesign, Beispiel Rittner-Bahn / mit Beitr. von Giovanni Klaus König und Johann Stockklausner. Fotos von Oswald Kofler
S. 388 – 429
AutorIn: Baumgartner, Elisabeth
Verlag: Haymon-Verlag
Erscheinungsort: Innsbruck
Erscheinungdatum: 1989
Der Ritten und seine Bahn. Die Rittnerbahn in alten Ansichten
Anlässlich der Feier zum 90. Geburtstag der Rittnerbahn im Jahr 1997 erschienen, sammelt das Buch alte Ansichten, die den gesamten Streckenverlauf dokumentieren.
AutorIn: Baumgartner, Ernst
Herausgeber/Zeitschrift: Baumgartner, Ernst
Erscheinungsort: Ritten
Erscheinungdatum: 1997
Auf schmaler Spur durch Südtirol. Schmalspurbahnen südlich des Brenners
Lokalbahn Mori – Arco – Riva, Lokalbahn Lana – Meran, Rittner Bahn Bozen – Klobenstein, Lokalbahn Dermulo – Fondo Mendel, Nonstalbahn Trient – Malè ; ein Beitrag zur Eisenbahngeschichte Tirols.
S. 66 – 77
AutorIn: Dultinger, Josef
Verlag: Verlag Dr. Rudolf Erhard
Erscheinungsort: Innsbruck
Erscheinungdatum: 1982
Abschied von der Rittner Bahn
46. Jahrgang, April 1972, Heft 4, S. 192 – 200
AutorIn: Amonn, Walter
Herausgeber/Zeitschrift: Der Schlern
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 1972
Technische Einzelheiten zur Rittner Bahn
46. Jahrgang, Juni 1972, Heft 6, S. 309
AutorIn: Melchiori, Rudi
Herausgeber/Zeitschrift: Der Schlern
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 1972
STA – Südtiroler Transportstrukturen AG/STA – Strutture Trasporto Alto Adige SpA
Italienallee 13N / corso Italia 13N
39100 Bozen / Bolzano
Tel: +39 0471 312888
E-mail: info@sta.bz.it
Webseite: https://www.suedtirolmobil.info
Tourismusverein Ritten / Associazione turistica del Renon
Dorfstraße 5 / Paese 5
39054 Klobenstein / Collalbo
Tel: 0039 0471 356100
Handy: Büro am Bahnhof Oberbozen – Tel. 0039 0471 345245; Montag – Freitag von 9:00 – 12:30 Uhr
Fax: 0039 0471 356799
E-mail: info@ritten.com
Webseite: https://www.ritten.com
Seilbahn Bozen – Oberbozen/ Funivia Bolzano – Soprabolzano
Rittner Straße 12 / via Renon 12
39100 Bozen / Bolzano
Tel: +39 0471 978479
https://www.bolzano-bozen.it/
Infos über die Landeshauptstadt Bozen mit nützlichen Informationen, Veranstaltungen, Unterkünften und Wandermöglichkeiten.













