Mit einem Aufruf wendet sich das Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck, mit dem das Kuratorium für technische Kulturgüter grenzüberschreitend kooperiert, an alle Interessierte: Das Archiv für Baukunst sammelt und betreut Zeichnungen, Pläne und Dokumente von Architekten und Bauingenieuren. Es bittet um Hinweise auf entsprechende Materialien in Büros, Sammlungen, Nachlässen. Dem Archiv wurde am 25. April 2005 die Architektur-Sammlung der legendären Architekten- und Künstlerfamilie Prachensky übereignet. Im Rahmen einer Pressekonferenz wird morgen am 10. Mai 2005, um 10.00 Uhr, im Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck im Adambräu (6.OG) darüber ausführlich informiert. Die Prachenskys haben die architektonische Entwicklung Innsbrucks und Tirols maßgeblich geprägt. Der Architekt Professor Baurat Hubert Prachensky (geb. 26. Juni 1916), stiftete dem Archiv die Nachlässe seines Vaters Theodor Prachensky (1888-1970) und seines Onkels, Wilhelm Nicolaus Prachensky (1898-1956), sowie den umfangreichen Bestand seines eigenen Büros, das er seit 1946 zusammen mit seinem Onkel und von 1956 bis 2002 selbständig leitete. Das übergebene Planmaterial mit zahlreichen Architekturzeichnungen umfaßt zirka 20.000 Blätter und dokumentiert zahlreiche Projekte und Bauten, Wettbewerbsbeiträge und visionäre städtebauliche Konzepte für ganz Tirol. Eine kostbare Ergänzung stellen fünf Zeichnungen des Onkels, des Architekten Franz Baumann dar. Darüber hinaus vertraut Hubert Prachensky dem Archiv für Baukunst Teile seiner über Jahrzehnte aufgebauten Büchersammlung an, die neben Fachliteratur aus den Themenbereichen Architekturgeschichte, Ingenieurbau und Baukonstruktion auch seltene Bestände an Zeitschriften für Architektur und Kunsthandwerk der zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre umfasst. Die in den Sammlungen enthaltenen wertvollen Schaublätter und künstlerischen Perspektiven mit ihrer prägnanten unverkennbaren Handschrift machen wesentliche Epochen der architektonischen Entwicklung Tirols erlebbar. Sammlungen Feßler und Mazagg Fast gleichzeitig mit den Prachensky-Beständen gehen auch die Nachlässe der Architekten Hans Feßler (1896-1974) und Siegfried Mazagg (1902-1932) aus Familienbesitz in die Obhut des Archivs für Baukunst über. Ihre Bedeutung wird noch gesondert zu würdigen sein. Damit sind zusammen mit den bereits inkorporierten Nachlässen von Franz Baumann und Wilhelm Stigler die bedeutendsten Vertreter der sogenannten Klassischen Moderne im Archiv für Baukunst versammelt. Zum ersten Mal ist es nun möglich, die Entwicklung der modernen Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im zentralen Alpenraum anhand von Originalplänen fast lückenlos zu dokumentieren. Sammlung ?Torstahl? Das Torstahl-Archiv wurde im April 2005 aus dem Privatbesitz von Professor Rudolf Schmidt (III), Wien, übernommen. Die Erfindung des ?Torstahls? ist eine der bedeutendsten baukonstruktiven und ingenieurtechnischen Neuerungen der Stahlbeton-Bauweise im 20. Jahrhundert. Dem Wiener Ingenieur Rudolf Schmidt (II) war es Mitte der Dreißiger Jahre gelungen, ein bahnbrechendes Verfahren zur Herstellung von Armierungseisen zu entwickeln. Bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts eroberte der Torstahl eine einzigartige Marktstellung: jeder dritte Stahlbeton-Bau weltweit wurde mit diesem Stahl nach österreichischem Patent errichtet. Das Archiv für Baukunst übernahm die gesamte Entwicklungsdokumentation des Firmenarchivs ?Torres? einschließlich sämtlicher Publikationen und des betriebseigenen Filmmaterials, das für Werbe- und Dokumentationszwecke angefertigt wurde. Aufruf Das Archiv für Baukunst sammelt und betreut Zeichnungen, Pläne und Dokumente von Architekten und Bauingenieuren. Es bittet um Hinweise auf entsprechende Materialien in Büros, Sammlungen, Nachlässen.