Die Grosse Mauer

Licht- und Klanginszenierung an der Staumauer am Reschensee Kommenden Sonntag, 24. Juli wird das Leben mit der Mauer künstlerisch thematisiert Mit einer spektakulären Licht- und Klanginszenierung an der grossen Mauer am Reschensee soll auf das landschaftlich einschneidende und technikgeschichtlich einmalige Bauwerk aufmerksam gemacht werden. Ins Rampenlicht gerückt wird diesmal die Staumauer am Reschensee, die anstelle der vormals üppigen Weideflächen und des gefluteten Dorfes Alt-Graun den insgesamt 116 Millionen Kubikmeter Wasser Einhalt gebietet. Die Staumauer, die 1947 aufgeschüttet wurde, war für die damalige Zeit ein Unikat: anstatt der damals üblichen Betonbefestigung wurde ein Wall aus festgewalzter Erde errichtet, der im Wettlauf zwischen Natur und Technik zu einer naturnahen Variante führte, die zwar immer noch an die Narben der damaligen Zeit erinnert. In einer Nachtrevue werden am Sonntag 24. Juli 2005 ab 22.00 Uhr zu einer musikalischen und visuellen Performance zehn Triathleten mit Unterstützung der Bergrettungsleute die grosse Mauer künstlerisch ?erklettern? und von ihr im Bann lodernder Fackeln Besitz ergreifen. Die Staumauer wird gleichzeitig zur Kulisse, auf der eine Folge von historischen Bildern aus der Zeit der Kraftwerkserschliessung im Vinschgau projiziert wird. Das Material, zur Verfügung gestellt vom Kuratorium, stammt aus dem Fotobestand der Fotografenfamilie Pedrotti und befindet sich nun im Besitz von Edison. Die Inszenierung erfolgt nach einer Idee des Vinschgers Karl Heinz Steiner, der auch die Regie innehat. Für die Lichtkunst ist die Firma Oskar Light verantwortlich. Der Kirchturm von Graun, der bis heute aus dem Stausee ragt, erinnert an die grossen Opfer, die die Bevölkerung für den Bau des Grosskraftwerks erbringen musste. Nur der romanische Turm aus der Mitte des 14. Jahrhunderts sei auf Anordnung des damaligen noch staatlichen Denkmalamtes stehen geblieben, erinnert sich Pfarrer Alfred Rieper an den verzweifelten Kampf gegen die Seestauung. Das Dorf wurde an anderer Stelle ? nach den Plänen von Erich Pattis und mit der Unterstützung Nordtirols- neu aufgebaut. Viele sahen sich zum Abwandern gezwungen. Nicht nur die Kilowatts, sondern auch die Opfer der Bevölkerung müssten bewertet werden, betonte der italienische Ministerpräsident Degasperi bei der Eröffnung des Kraftwerks am 28. August 1949. In 5 Millionen Arbeitstagen haben bis 7.000 Arbeiter die Anlage der damaligen Montecatini-Gesellschaft erbaut. Das Wasser gelangt durch eine 13 km lange unterirdische Druckleitung in das Kavernenkrafthaus, wo vier Pelton-Turbinen im Schnitt 90 Megawatt Strom produzieren. In dieser Turbinenhalle im Berg hat das Kuratorium bereits im August 2001 auf das Technik-Juwel aufmerksam gemacht, als zeitgenössische Musik im Kraftwerk dargeboten wurde. Da die Gewässer des natürlichen Einzugsgebietes des Reschensees nicht ausreichen, werden über ein weitläufiges Zuleitungssystem der Zerzerbach, der Melzbach, der Arundabach, der Marienbergbach, der Punibach, der Saldurbach in die Wasserzufuhr miteinbezogen. Zudem wird über ein Pumpwerk Wasser vom Haidersee dem Druckstollen zugeführt. Dank der Südtiroler Autonomie wird die Konzession für den Reschensee heute von der Sel-Edison gemeinsam verwaltet. Die Licht- und Klanginszenierung an der Staumauer am 24.7.05 wird unterstützt durch: Gemeinde Graun, Seledison Ag, Raiffeisenkasse Obervinschgau