Am kommenden Sonntag, 11.9.05 ist das Kraftwerk erstmals seit 1941 öffentlich zugänglich. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat das Kraftwerk Brixen auf dem Buckel. Seit es nach verschiedenen Auf und Ab im Vorfeld der Projektentwicklung endlich 1941 ans Netz ging, ist an diesem noch lupenrein erhaltenen Technikschauplatz noch nie eine einschneidende bauliche Veränderung durchgeführt worden. Jetzt kann das Kavernenkraftwerk erstmals von der Bevölkerung besichtigt werden. Die von der italienischen Energiekörperschaft Enel gestartete Initiative wird vom Kuratorium für technische Kulturgüter voll unterstützt. Die Gross-Kraftwerke, zu denen auch das Brixner E-Werk zählt, haben Südtirols sensible Kulturlandschaft vielfach geprägt und gleichzeitig der hereinbrechenden Industrialisierung, aber auch dem Fortschritt die Tore geöffnet. Das ?weiße Gold? aus dem 1918 zu Italien geschlagenen ?Oberetsch? waren der Stromindustrie mit führenden Namen wie Montecatini, Edison und dem späteren ENEL beträchtliche Investitionen wert. Moderne Hochspannungsleitungen exportierten den in Südtirol erzeugten Strom praktisch zur Gänze in die norditalienische Industrie. Das Kraftwerk Brixen erzählt heute von seiner bewegten Geschichte auch in historischen Bildern. Möglich gemacht hat dies der Trentiner Enrico Pedrotti, Pionier der Industriefotografie mit Atelier in Bozen und Widerstandskämpfer, der die Einweihung des Kraftwerks im Oktober 1940 mit seiner Kamera eingefangen und festgehalten hat. Die Bilder, die bereits anlässlich der Ausstellung ?Megawatt und Widerstand? im Grosskraftwerk von Kardaun gezeigt wurden, vermitteln die Aufbruchstimmung und den damaligen Zeitgeist der faschistischen Machthaber. Ermöglicht wird diese Zeitreise, rund um den Technikschauplatz und Meilenstein der Technikkultur in Brixen: man kann darin blättern wie in einem offenen Buch und erfährt dabei von technischen, politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen. Das Kavernenkraftwerk, gespeist von Eisack und Rienz wird zum Informationsträger mit nutzungsbezogenem Öffentlichkeitscharakter, zum Meilenstein im Südtiroler Technikparcours. Technischer Steckbrief Im Brixner E-Werk gelangen fünf Pelton-Turbinen zum Einsatz. Die installierte Leistung beträgt 87 Megawatt, die durchschnittliche Jahresleistung an die 520 Kilowattstunden. Rund 190.000 Haushalte können damit mit Strom versorgt werden. Das Wassereinzugsgebiet von Eisack und Rienz umfasst an die 2700 Quadratkilometer. Druckleitungen liefern an die 70 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Die Bauzeit fällt mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs zusammen, von 1936 bis 1940 waren hunderte von Arbeitern mit der Errichtung der Stauanlagen von Franzensfeste und Mühlbach und dem Maschinenraum beschäftigt. Seit 1994 wird die Anlage von Santa Massenza (TN) aus ferngesteuert .