Kuratorium zieht anlässlich der Jahresvollversammlung bei der Kugel auf Hochfrangart Bilanz über die Tätigkeit Dank der bewährten pädagogisch-didaktischen Zusammenarbeit mit Schulen, der Pionierarbeit und Informationstätigkeit ist es gelungen, am Aufhänger des Technikmuseums im Internet einige der längs des Südtiroler Fahrradnetzes angesiedelten, potentiellen Technikschauplätze zu sichern, dokumentieren und aufzuwerten. Die Idee für diesen Museumspfad per Fahrrad wurde anhand eines von der Fakultät f. Design und Künste erarbeiteten Leitsystems veranschaulicht. Von den 32, in einer ?Hitliste? zusammengefassten Schauplätzen wurden einige schwerpunktartig ausgewählt. In einem handlichen Themen-Wegweiser werden die Technikdenkmäler bildhaft dargestellt und beschrieben. In Zusammenarbeit mit dem Sender Bozen ist geplant, in Kurzdokumentationen die verschiedenen Kulturgüter auszuleuchten und in ihrer zeitgeschichtlichen Bedeutung zu erfassen. Präsident Klaus Kemenater verwies auf die erfolgreiche Tätigkeit des Kuratoriums, das im abgelaufenen Jahr wesentliche Aufbauarbeit geleistet hat; die verschiedenen Sammlungsschwerpunkte (Kraftwerke, Eisenbahnen, historische Zweckbauten, Bergbahnen) wurden weiter ausgebaut. Die Erhebungskriterien und damit die Benutzerfreundlichkeit für den virtuellen Museumsbesucher wurden weiter optimiert, ergänzte Witti Mitterer, die das Projekt betreut. Das Internetmuseum bedient über die drei Zugangsschienen Historie, Geografie und Technik verschiedene Zielgruppen, wie wissenschaftlich Interessierte, Jugendliche sowie Touristen und Familienausflügler. Ein großer Publikumserfolg war die in Zusammenarbeit mit Enel organisierte Ausstellung ?Megawatt & Widerstand / Megawatt & Resistenze?, die von Dezember 2004 bis März 2005 im Eisackkraftwerk in Kardaun lief. Geboten wurde erstmals Einblick in die Kraftwerkshallen und in den bisher unerschlossenen Bildbestand der Meisterfotografen Pedrotti gewinnen. Die Landesabteilung Wasser und Energie bereicherte die Initiative um beindruckende historische Kraftwerkspläne aus den frühen Zwanzigern des vergangenen Jahrhunderts. Begleitend zur Ausstellung ist im Athesia ? Verlag eine Publikation mit einmaligen Zeitzeugenhinterfragungen, umfangreichem Bild- und wissenschaftlichem Quellenmaterial entstanden. Ebenso gepunktet hat das Kuratorium mit einer Open-Day-Veranstaltung in den Etschwerke-Kraftwerken am Eingang des Eggentals und auf der Töl bei Meran unter dem Motto „“Schüler führen Schüler – Energie verstehen““. Zu einem kleinen Wahrzeichen ist inzwischen das Turbinendenkmal am Portal der Bozner Industriezone geworden. Die ausrangierte Turbine war in Zusammenarbeit mit Schulen und Edison restauriert und künstlerisch adaptiert worden. In Weiterführung der Initiativen des Kuratoriums zur Erhaltung der Südtiroler Bahnhöfe, ein in seiner Geschlossenheit einzigartiges Ensemble im europäischen Kulturraum, wurde an einem Modell gezeigt, wie die historische Bausubstanz zumindest im Kern, als Schaufenster für vorbildhaften Ensembleschutzes, erhalten, gegen Vandalen gesichert und aufgewertet werden kann. Intensiv gearbeitet wird derzeit an der Bespielung der ausgewählten Technikschauplätze, die durch kleine „“Kunstgriffe““ einer am Kuratorium angesiedelten Planungsgruppe öffentlich zugänglich und erlebbar gemacht werden. Durch ansprechende Informationen und Gestaltung soll technisches Kulturgut erschlossen werden. So das kleine Etschwerke-Kraftwerk am Eingang der wildromantischen Eggentaler Schlucht: der Maschinenraum wird durch einen Glaserker für den Besucher erlebbar, ohne dabei die Funktionsabläufe im E-Werk zu stören. Die spezielle Atmosphäre im Inneren des Kraftwerks wird durch eine Lichtinszenierung unterstrichen. Das Kraftwerk in der Sachsenklemme soll in den Radparcours miteinbezogen werden und unbemannt, per Knopfdruck die einzelnen Abläufe der Energiegewinnung und -umwandlung aufzeigen. Kleinere Restaurierungsarbeiten werden von der Berufsschule Brixen absolviert, größere Arbeiten werden von einer Baufirma in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Franzensfeste übernommen. Arch. Scherer und Ing. Starke wurden mit der Planung betraut. Bei der aufgelassenen Kastelruther Haltestelle ist eine Servicestation für Radfahrer geplant, ein translucider Container , der in die Flusslandschaft ragt, soll über Brücke, Kleinbahnhof und gegenüberliegende Zyklopenmauer Informationen anbieten und zu einer neuen Form des Sehens und Erlebens anregen. Historische Kornmaschinen über Apfelbäumen sollen in Partschins an die vergangene ?Kornkammer Vinschgaus? erinnern. Brennpunkt Brenner: In Zusammenarbeit mit dem Institut für Baugeschichte der Universität Innsbruck wurde das Brennergebiet vermessen und von Christoph Lackner fotografisch erfasst. Im Adambräu in Innsbruck werden 12 Stationen in einer Ausstellung gezeigt. Inhalt ist der Brenner als Grenzstation (mit Hauptaugenmerk auf die Zwanziger und Sechziger Jahre), Markstein für den aufkommenden v. a. deutschen Tourismus in den frühen Sechziger Jahren, Beginn des Brennerautobahnabschnittes usw. Die Ausstellung, die gegen Jahresende eröffnet werden soll, wird von einer Publikation begleitet. Die Dokumentation sollte dazu beitragen, am Brenner Alt und Neu zu integrieren ? statt vereinzelt leider bereits angelaufener Abbrucharbeiten ohne wohlüberlegtes Konzept. Die kreative Einbeziehung von typischen Bauten und Zeitzeugnissen der Grenze stößt inzwischen nämlich auch deshalb auf Zustimmung, weil sie der EU-geförderten Neubelebung des Brenner ein unverwechselbares Markenzeichen verleihen würde. Im Rahmen eines Interreg ? Projektes soll im Spätsommer der Starschuss für den Aufbau einer Dokumentationsstelle für Zeitgeschichte, Didaktik und Museumsanimation fallen. Schwerpunkt dieses Projektes ist die Erfassung und Vermittlung von zeitgeschichtlich relevantem Ton- und Bildmaterial. Projektpartner für Südtirol sind das Amt für Audiovisuelle Medien und das Südtiroler Landesarchiv. Bei der anschließenden Diskussion regt Dr. Rössler an, sich Gedanken über den Erhalt alter Bauernhöfe zu machen. Es wäre sinnvoll und notwendig, bei Um- bzw. Zubauten, die historische Bausubstanz in die neue zu integrieren und Richtlinien auszuarbeiten um eventuellen Bauspekulationen zuvorzukommen. Arch. Scherer begrüßt diesen Vorschlag, Kemenater regt an, eine Arbeitsgruppe zu dieser Thematik einzurichten. Anlässlich einer Schweigeminute haben die Versammelten Elisabeth Baumgartner gedacht, die als Mitstreiterin die Anliegen des Kuratoriums verteidigt hat. Vehement forderte sie die notwendige Rückbesinnung auf Südtirols ureigenes Kreativitätspotential. „“Dank der Alltagsschönheit von Natur und Landschaft samt historischer Bauten und technischer Denkmäler konnten in der Vergangenheit auch schwere Zeiten überbrückt werden.““ E.B. Effektiv ist ein sensibler Umgang mit diesen Ressourcen, die gewissermassen die kulturellen Wurzeln Südtirols sind, unabdingbar. In der tiefen Überzeugung, dass der Bevölkerung die Augen für das hohe Potential an Landschaft und Eigenkreativität geöffnet werden muss, wird das Kuratorium diese Stossrichtung weiterverfolgen. Nicht mitgetragen werden können die Verbauung der letzten Mäander des Eisacks im Zuge geplanter E-Werks-Projekte oder andere Eingriffe in die Landschaft, die offensichtlich wohl nur mehr über sogenannte „“Erlebnispfade““ (insgesamt sind 22 Planungsphase) betreten werden soll. Unter dem Motto „“weniger Geld- mehr Kreativität““ soll vielmehr ein Wertewandel einkehren, bei dem das Gleichgewicht zwischen Liebe zur eigenen Umwelt und Landschaft und Umnutzungen oder Neuplanungen wieder hergestellt werden muss. Präsident Kemenater dankte Kuratoriumsgründer und Mentor Karl Nicolussi ? Leck im Namen aller Anwesenden für die Gastfreundschaft auf Hochfrangart.