Der Brenner, ein Ort der Begegnung.

Ausstellungseröffnung (Grenze) Brenner-Pass im Adambräu in Innsbruck ein voller Erfolg ?Der Brenner muss eine Stätte der Begegnung zwischen Nord und Süd werden. Wir müssen den Brenner mit Leben erfüllen und ihn nicht musealisieren,? erklärte Landeshauptmann Luis Durnwalder bei der Eröffnung der grenzüberschreitenden Ausstellung (Grenze) Brenner-Pass im Adambräu, Archiv für Baukunst, vergangenen Mittwoch 7.12. in Innsbruck vor dem zahlreich erschienen Publikum von dies- und jenseits der ehemaligen Grenze. Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsarbeit des Archivs für Baukunst der Architekturfakultät der Universität Innsbruck und des Kuratoriums für technische Kulturgüter in Südtirol. Der Brenner stehe heute für Zusammenarbeit und ist ein Bindeglied zwischen den Ländern, klang in den verschiedenen Stellungnahmen durch. Als sein persönliches politisches Highlight bezeichnete Durnwalder den 1. April 1998, als nach Inkrafttreten des Schengener Abkommens er gemeinsam mit Altlandeshauptmann Weingartner die Grenzbalken abnehmen durfte. ?Der Brenner soll seiner Tradition als Einkaufs- und Einkehrstätte wieder gerecht werden,? pflichtete der Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa seinem Südtiroler Amtskollegen bei. Rainer Graefe vom Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der Uni Innsbruck forderte zu einem respektvollen Umgang mit dem Ort auf und trat gleichzeitig für eine Rekultivierung der Passlandschaft ein. Für Wittfrida Mitterer, Herausgeberin des Ausstellungskatalogs (Grenze) Brenner-Pass, erschienen im Athesia-Verlag, ist das historische Kernensemble rund um den ehemaligen Schlagbaum mit seinen vor allem in der Zeit des Faschismus entstandenen Grenzbauten ein Unikat in Erinnerung an die Schicksalgrenze von 1918 und an das Europa der Grenzen. Der Brenner ist Europaweit einzigartiges Zeugnis echter gelebter Alltagskultur an der Grenze. Die Gebäude, nach den Attentaten der Sechzigerjahre, als für nach Italien reisende Österreicher zeitweise die Visumpflicht eingeführt wurde, und zur Grenzbastion mit massiver Polizeipräsenz hochgerüstet wurden, stehen heute teilweise funktionslos herum. Mit der Ausstellung ist jetzt eine Impulswirkung verbunden, die dazu anregen soll, im Rahmen eines wohlüberlegten Konzepts, Alt mit Neu kreativ zu integrieren. Rektor Manfried Gantner mass der Forschungsarbeit und dem damit verbundenen Technologietransfer zwischen den Landesteilen besondere Bedeutung zu. ?Der Brenner muss mehr als nur Durchzugsstätte werden? Alfons Gruber, Leiter des Athesia-Verlags, betonte den Stellenwert, der den technischen Kulturdenkmälern als Bestandteil des öffentlichen Kulturguts zukomme. Die Publikation sei eine Tirolensie der besonderen Art, da mit dem Brenner erstmals ein Thema aufgegriffen werde, das den Veränderungsprozess des Grenzortes beleuchte und ihn in einen kulturellen, zeitgeschichtlichen und politischen Kontext stelle. Der Eröffnungsfeier im Adambräu, das ?wie übrigens auch die Grenzkabine am Brenner (Fungo)- anslässlich der Ausstellung von Lichtberater Dieter Bartenbach in tiefes Blau getaucht wurde, war eine Anreise in einem historischen Sonderzug (Abfahrt vom Bahnhof Brenner) voran gegangen. Die Ausstellung, die bis zum 1. Februar 2006 zugänglich ist, wird von historischen Wegmarken begleitet, die auf der Brennerautobahn in 22 Rast-Stationen von Brenner bis Modena über den Autobahnbau in den Sechziger- und Siebzigerjahren erzählen.