Schaubahnhof Klausen

Alt mit Neu zu verbinden und dabei die bauliche besondere Ausstrahlung der Bahnhöfe zu erhalten ist der Kerngedanke des Pilotprojekts. Die Bahnhöfe sollen als Monumente der Technik und Kleindenkmäler im neuen urbanistischen Kontext des Verkehrs- und Kommunikationszentrums ?Bahnhof? verständlich und attraktiv gemacht werden. Der Klausner Bahnhof soll als Verkehrsinfrastruktur und gleichzeitig als technikgeschichtliches Highlight aufgewertet werden.
Mit dem Projekt will man in einem ersten Ansatz die bauliche Ausstrahlung des Bahnhofs als technisches Monument und Kleindenkmal sowie seine Funktion als Infrastruktur für den Nahverkehr betonen. Im Bewusstsein, dass Südtirol für das europaweit einzigartige Ensemble technischer Bauwerke – wie es die Bahnlandschaft bietet- verantwortlich ist, arbeitet das Kuratorium gemeinsam mit Vertretern der Gemeinde Klausen an der Umsetzung eines modellhaften Pilotprojekts zur Erhaltung des Bahnhofs. Mit den Bauaufnahmen, die im April in Zusammenarbeit mit der Architekturfakultät der Uni Innsbruck unter der Leitung von Prof. Horst Hambrusch und in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium für Technische Kulturgüter stattgefunden haben, wurde der Ist-Zustand von Bahnhof und Viadukt der Grödner-Bahn dokumentiert.
Da gerade der Klausner Bahnhof besondere historische Wurzeln hat und von seiner architektonischen sehr artikulierten und dennoch typischen Struktur für ein Pilotprojekt die besten Voraussetzungen mitbringt, soll das Nutzungskonzept auch stellvertretend bei anderen Bahnhöfe Schule machen.
Ziel ist es, im Zuge einer ersten Minimal-Sanierung des Gebäudes schwerpunktartig im Fahrgästebereich anhand einer Musealisierung altösterreichisches Bahnhofsflair einzufangen und gleichzeitig über eine innovative Kooperation mit der Südtiroler Rundfunkanstalt RAS zeitaktuell auf einer Medienwand Informationen öffentlichen Interesses, vermischt mit zeitgeschichtlichen Highlights, darzubieten. Der Bahnhof soll zur Visitenkarte des Ortes mit Service-Charakter werden.
Die anbrechende Ära der unbemannten Bahnhöfe, die technische Automatisierung mit Stilllegung von Fahrdienstleitung, Fahrkartenschalter und weiteren Dienstleistungen hat auch am Klausner Bahnhof neue Fakten geschaffen. Außer den Räumlichkeiten für technische Apparaturen des Bahnbetriebs stehen sämtliche Räume des Erdgeschosses im Bahnhof für die geplante Aufwertung zur Verfügung. Von den insgesamt vorhandenen 225 m² können 130 neu genutzt werden. Die architektonische Gestaltung hat der Vinschger Karlheinz Steiner übernommen. Die Renovierungsarbeiten werden von Land, Gemeinde und Bahnverwaltung gemeinsam getragen.
Typische Elemente wie Fahrkartenschalter, Gepäcksaufbewahrung, Fahrdienstleitung, Glockensignal, Weichenschlüssel, Erinnerungsstücke z.B. Fahrpläne, Zeichnungen und Skizzen aus der Bauphase, mit Hinweis auch auf die Grödnerbahn, die von Klausen aus über das noch erhaltene Viadukt bis 1960 nach Plan gedampft ist, sollen hinter eingezogenen vandalensicheren Glaswänden ausgestellt werden. Auf interaktiven, mit der RAS (zuständig für den technischen Support) vernetzten Wandflächen sollen Informationen von öffentlichem Interesse, wie Wetterbildkamera, Temperaturen, Verkehrsinfos, Pollenwarndienst, lokale Ereignisse und Kulturveranstaltungen sowie Spots über die Erfolgsgeschichte Eisacktaler Betriebe, in Verbindung mit weiterführenden Erklärungen über das Technikmuseum, gezeigt werden. Geplant sind auch Video-Installationen mit starkem zeitgeschichtlichem Bezug, die in Zusammenarbeit mit Klausner Lokalhistorikern und dem Modelleisenbahn-Club erarbeitet werden. Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich der ehemalige Relais-Raum, der als Ambiente mit Mehrzweckcharakter genutzt werden kann. Ein beweglicher Raumteiler ermöglicht die zeitgleiche Nutzung unterschiedlicher Akteure. Interesse gezeigt haben die Klausner Modelleisenbahner, die dort ein Dokumentationszentrum zum Thema Bahn einrichten möchten (MW)

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