Alumix-Buch in der Reihe Technisches Kulturgut im Rampenlicht

Phoenix, die Aluminiumwerke in Bozen Süd.
Historische Industriearchitektur als Marke im umbauten Raum, als Besonderheit der Region, mit der sich Menschen identifizieren.
Sapa-Vorstandschef Giuseppe Vince und Sergio Sannicolò, Direktor der Sapa in Bozen boten Einblick in die Highlights der bewegten Firmengeschichte. Bozens Vizebürgermeister Elmar Pichler Rolle zeigte sich über die wirtschaftliche Vorreiter-Rolle der Aluminiumfabrik erfreut. Die Aufarbeitung auch problematischer historischer Abschnitte sei notwendig und sinnvoll. Die Architektur der Industriegebäude nicht als Objekt ideologischer Betrachtung, sondern in ihrer Komplexität und in ihren Zusammenhängen dokumentiert und neu bewertet. Dies ist das Kernanliegen des neuen Buches, das heute am ehemaligen Alumix-Gelände präsentiert wurde.
Die Alumiumwerke sind Teil eines urbanistischen Gesamtkonzeptes, der vom faschistischen Regime gewollten und nach Plänen von Marcello Piacentini gebauten Bozner Industriezone aus den 1930er Jahren. Reallisiert wurden Bauten für öffentliche Einrichtungen, Wohnungen, Plätzen, Strassen ecc. Die Anlage, nach Plänen des römischen Planungsteams Garboli, Guffanti Manfredini (1932) gebaut, ist einer der grössten Industriebetriebe in Bozen. Der Höchststand in den 1950er Jahren waren an die 1200 Angestellte. Kernbestand, heute zum Teil abgerissen oder umgenutzt, waren die großen Transformatorstationen, um die herum Werkallen, Ofenhallen, Lager, Mensa Kapelle, Verwaltungsgebäude und Portierlogen zur Voltastrasse hin einen Abschluss bildeten. Die verwendeten Materialien, die großflächigen Verglasungen, die Gestaltung der Fassaden mit Klinker des heute erhaltenen Volumens, derzeit Schauplatz der Manifesta, sind in bester Bauhaustradition realisiert und erinnern an die Musterfabrik von W. Gropius und Adolf Meyer für die Werkbundausstellung in Köln (1914), so Buchautorin Wittfrida Mitterer.
Neben der ?natürlichen Umwelt? gibt es eine ?soziale Umwelt?, meint Rainer Graefe im Vorwort der Publikation. Denkmalschutz ist auch Therapie dieser Bereiche. Bauliche Zeugnisse sind Teile der vom Menschen geschaffenen, kulturell bestimmten Welt
Stadt- und Landschaftssanierung durch Pflege und Unterhalt auch technischer Kulturgüter in unseren Kulturlandschaften. Zum praktischen Umgang damit verfügen wir heute über Möglichkeiten und unterschiedlicher Erhaltungsstrategien.
Was bleibt vom Eigenwert des Objekts an sich nach Verlust der ursprünglichen Funktion? Welchen Wert behält es als Marke in der Landschaft, als Zeugnis menschlicher Aktivität? Wichtig ist jedenfalls die vorläufige Sicherung bis zur Bestimmung einer ? noch nicht gefundenen ? späteren Neunutzung. Schützenswert muss auch das ? momentan ? nicht Gebrauchte sein und das ? momentan ? Unattraktive, Ungeliebte, Abgelehnte.
Architektonische Verfremdungen historischer Bauten mit kommerzieller Zielstellung sind aus Sicht des Historikers und des Denkmalpflegers keine guten Lösungen. Tolerierbar sind sie eigentlich nur als Alternative zum völligen Abbruch. In der Praxis setzt sich zunehmend die architektonisch ehrgeizige, von historischen Kenntnissen unbelastete ?Aufwertung? von Baudenkmalen durch ? mit verheerenden Verlusten an wertvoller Substanz.
Die unspektakuläre, verantwortungsvolle Weiternutzung gerät immer mehr ins Hintertreffen. Sie braucht unsere Unterstützung.
In der Regel jedenfalls gilt: Zerstörungen werden im Nachhinein sehr oft bedauert. Wann wäre umgekehrt eine angemessene Erhaltung je beklagt worden?

Die Publikation, in der die Geschichte der Aluminiumfabrik im Kontext der Bozner Industriezone ausgeleuchtet wird, ist im Athesia-Verlag und in allen Fachbuchhandlungen erhältlich.