34. Bahnhof Latsch

34. Bahnhof Latsch

Latsch
1906
Neuer und historischer Bahnhof mit Unterführung

In Latsch wurde am nördlichen Rand der Ortsmitte ein Bahnhof errichtet, dessen Gebäudetyp bereits von den Stationen in Töll und Schnalstal bekannt ist.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Latsch
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 1903
Inbetriebnahme: 01.07.1906
AuftraggeberIn: Vinschgauer Bahn AG (konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Projektant/Erfinder: Bauausführung durch das Wiener Lokalbahnamt. Entwurf Hochbauten unter der Leitung von Baurat Konstantin Ritter von Chabert

Ursprünglicher Baubestand:
Im vom Bahnhof Kastelbell 3,065 km entfernten Latsch wurde am nördlichen Rand der Ortsmitte ein Bahnhof angelegt, der als Gebäudetyp bereits von den Bahnhöfen Töll und Schnalstal bekannt ist.
Das Aufnahmsgebäude geht von einem T-förmigen Grundriss aus. Der erdgeschossige Seitenflügel unter einem Satteldach nahm den Warte- und Schalterraum auf. Gleisseitig wurde eine hölzerne Loggia mit einem flachen Satteldachteil und einem Pultdachteil angeordnet. Der Zugang erfolgte strassenseitig unter einem hölzernen Vordach. Der zweigeschossige Querbau, ebenfalls unter einem Satteldach, diente für zwei Wohnungen der Bahnbediensteten. Das Gebäude wurde in verputztem Mauerwerk mit bossierten Lisenen und feinen Profilen ausgeführt. Die Giebelseiten der Obergeschosse des zweigeschossigen Bauteils strukturierte eine Fachwerkkonstruktion mit einem schön detaillierten hölzernen Balkon auf der Südseite. Die Giebelseite des eingeschossigen Bauteils wurde holzverschalt. Fenster- und Türen wurden mit kräftigen Lisenen gefasst und der Wohnteil erhielt bossierte Eckrisalite. Ein freistehendes, gemauertes und verputztes Toilettenhäuschen ergänzte das Aufnahmsgebäude.
Westlich des Aufnahmsgebäudes entstand auf einem Natursteinsockel die hölzerne Konstruktion des Lagergebäudes unter einem Satteldach, teilweise offen und nur überdeckt, teilweise mit senkrechter Holzschalung verschlossen und mit drei zweiflügligen Toren versehen. noch weiter westlich wurde ein zweigeschossiger Wasserturm errichtet. Er war gemauert und verputzt und erhielt im Obergeschoss zwischen den Eckpfeilern Holzverschalungen.

Nach der Übernahme der Bahnanlagen durch die FS errichtete diese einen etwas klobigen weiteren Wasserturm in Sichtbeton neben dem Toilettenhäuschen.

Im Jahr 2001 wurde – wie auch an den Bahnhöfen Töll, Spondinig und Mals – in Latsch ein partizipativer Diskussionsprozess zur Entwicklung des neuen Markenauftritts der Vinschger Bahn angestoßen. Dieses Beteiligungsverfahren bildete den Auftakt zu einer umfassenden Mobilitätsstrategie, in die die Gemeinden direkt eingebunden wurden. Latsch, nahe den Bergwerken im Martelltal gelegen, ist bekannt für die Original-Handschrift des Nibelungenliedes, die auf Schloss Obermontani entdeckt wurde. Darüber hinaus erlangte der Fund eines rund 5000 Jahre alten Marmormenhirs im Jahr 1992 besondere Bedeutung für die lokale Geschichte.

Der eingeschossige Seitenflügel des Aufnahmegebäudes unter einem Satteldach nimmt Warte- und Schalterraum auf. Gleisseitig wird eine hölzerne Loggia mit einem flachen Satteldachteil sowie einem anschließenden Pultdachteil angeordnet. Der Zugang erfolgt von der Straßenseite her unter einem hölzernen Vordach. Im zweigeschossigen Querbau, ebenfalls unter einem Satteldach, liegen zwei Wohnungen.
Das Gebäude wurde in verputztem Mauerwerk ausgeführt, mit bossierten Lisenen und fein profilierten Fassadenelementen. Die Giebelseiten des zweigeschossigen Bauteils sind durch eine Fachwerkkonstruktion gegliedert; auf der Südseite tritt ein detailliert ausgearbeiteter Holzbalkon hervor. Die Giebelseite des eingeschossigen Bauteils wurde mit Holzverschalung verkleidet. Fenster und Türen sind durch kräftige Lisenen gerahmt, der Wohntrakt durch bossierte Eckrisalite hervorgehoben.
Westlich des Aufnahmegebäudes entstand auf einem Natursteinsockel eine hölzerne Lagerhalle. Sie besteht teils aus einem offenen, überdeckten Bereich und teils aus einem verschlossenen Raum mit senkrechter Holzschalung sowie drei zweiflügeligen Toren.
Nach der Übernahme der Bahnanlagen durch die italienischen Staatsbahnen (FS) errichtete diese einen wieteren Wasserturm aus Sichtbeton. Am Bahnhof Latsch – wie auch an mehreren anderen Stationen entlang der Strecke – wurden im Jahr 2018 im Zuge der Elektrifizierungsarbeiten die Bahnsteige verlängert

Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Heutige Eignerin: Infrastruktur: Land Südtirol / Gebäude: Land Südtirol, bis 2034 Nutzungskonzession für die Gemeinde Latsch

Informationen und Zitate:
Bestandsaufnahme Vinschgerbahn durch die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Landesverwaltung, Abtlg. Denkmalpflege unter dem Abtlg. Direktor Dr. Helmut Stampfer, Bozen, 2000
Carmen MÜLLER; Meran-Mals, Vinschgau – auf den Spuren einer stillgelegten Bahnstrecke folio-, Verlag Wien Bozen, 2001
Hans WIESER, Bevor die Lok dreimal pfeift… – Gedanken zur Vinschgerbahn, Videodokumentation RAI Bozen
Elisabeth BAUMGARTNER, Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Innsbruck, Haymon, 1990
Wittfrieda MITTERER Hrg., Zeitzeichen der Technik, Edizione Raetia, Bozen, 1993
Hans-Jürgen und Carlo ROSENBERGER, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia, Bozen, 1993
Nutzungskonzepte für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth BAUMGARTNER, Koordination: Wittfrieda MITTERER; Kuratorium für Technische Kulturgüter; Bozen, 2002

Auskunftspersonen:
Dr. Klaus KEMENATER, Geschäftsführer der STA, Bozen
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv

Südtirol – Vinschgau
Bahnhofstr. 17-19
I-39021 Latsch

STA (Infrastruktur)
Gerbergasse 60
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-312811
Webseite: http://

SAD (Fahrbetrieb)
Italienallee 6/N
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-450111
Webseite: http://