42. Bahnhof Mals
Der Endbahnhof Mals ist original erhalten und zeugt eindrucksvoll von der damaligen technischen Kompetenz und gestalterischen Ausdruckskraft. Als flächenmäßig größter Bahnhof der Vinschger Bahn wurde er südlich des alten Ortskerns, rund 600 m vom Zentrum entfernt, angelegt und ist aufgrund eines Geländesprungs etwas erschwert erreichbar.
DATEN
Auf Grund seiner geringen Höhe (1504 m) und seiner leichten Begehbarkeit zählte der Reschen seit alters her zu den bevorzugten und am meisten benutzten Alpenübergängen. Bereits in römischer Zeit überwand eine sogenannte via publica, eine Staatsstraße, diesen Pass; als Via Claudia Augusta verlief sie von Oberitalien dem Lauf der Etsch folgend über den Reschen und den Fernpass bis nach Augusta Vindelicorum, dem heutigen Augsburg. Selbst als im zweiten nachchristlichen Jahrhundert die Brennerroute ausgebaut wurde, büsste die Straße über den Reschen nichts von ihrer Bedeutung als einer der wichtigsten Verbindungslinien zwischen Italien und den römischen Gebieten an der Donau ein. Im Mittelalter war das Verkehrsnetz der Grafschaft Tirol vom Nebeneinander der Brenner- und der Reschenroute geprägt. Die aus dem Blickwinkel der Handelsmetropole Augsburg als Oberer (Reschen/Fernpass) und Unterer Weg (Brenner/Seefelder Sattel) bezeichneten Verbindungen zählten zu den wichtigsten Nord-SüdHandelswegen des gesamten Alpenbogens. Mit dem Ausbau der Eisackschlucht durch die Errichtung des Kuntersweges am Beginn des 14. Jahrhunderts verlagerte sich das Frachtvolumen immer mehr zugunsten des Brenners, wobei die teuren Fernhandelswaren nach wie vor den direkteren Weg über den Reschen bevorzugten, während die Massengüter zum größeren Teil über den Brenner geführt wurden. Erst der Niedergang Venedigs im 17. Jahrhundert ließ den Oberen Weg immer mehr an Bedeutung verlieren, da das Volumen der über den Reschen nach Augsburg und Ulm transportierten Fernhandelsgüter stark abnahm.
Das Aufnahmegebäude greift auf das Formenrepertoire der übrigen Bahnhöfe der Vinschger Bahnstrecke zurück. Aufgrund seiner Bedeutung – vergleichbar mit dem Bahnhof Spondinig-Prad als wichtigem Zwischenhalt auf dem Weg zum Stilfser Joch – nimmt der Bahnhof Mals jedoch als Endbahnhof eine Sonderstellung ein. Das Aufnahmegebäude ist teilweise zweigeschossig mit sechs Fensterachsen ausgeführt und besitzt im südlichen Bereich einen eingeschossigen Anbau mit zwei Achsen. Beide Gebäudeteile sind mit Satteldächern versehen, wobei das Dach des Hauptbaus durch ein Giebelquerteil mit Krüppelwalmen unterbrochen wird. Über dem von außen zugänglichen Treppenhaus, das zu den Wohnungen im Obergeschoss führt, wurde das Giebeldach an dieser Seite bis zum Erdgeschoss herabgezogen.
Der erdgeschossige Flügel und ein Teil des Erdgeschosses mit drei Achsen des höheren Bauteils wurden für die Warte und Schalterräume benötigt. Im restlichen Erdgeschossbereich befand sich ein Restaurant, im Obergeschoss waren zwei Wohnungen. Südlich des Aufnahmegebäudes schloss sich eine Lagerhalle an, errichtet als Holzkonstruktion auf einem Natursteinsockel unter einem langgestreckten Satteldach. Die Halle ist rundum mit senkrechter Holzverschalung geschlossen, verfügt an den Giebelseiten über Türen sowie an jeder Längsseite über zwei zweiflügelige Tore. Im Nordwesten des Areals befindet sich eine Baugruppe bestehend aus Lokomotivremise, Wasserturm, Verwaltungsgebäude und Wendestern. Die Lokremise, ein verputzter Mauerwerksbau mit Satteldach und Lüftungsdachreiter, besitzt sieben Fensterachsen. Acht flache Putzrisalite gliedern an jeder Längsseite die große Baumasse. Die südliche Giebelseite ist mit zwei großen Einfahrtstoren mit feststehenden Oberlichtern ausgestattet, die zu den beiden Montagegruben führen. An der nördlichen Giebelseite schließt sich unter einem Pultdach ein Anbau mit zwei Fensterachsen und seitlichen Türen an. Auch dieser weist geputzte Risalite auf, die in den Dachschrägen in Attiken übergehen. Im Zuge der Reaktivierung der Vinschger Bahn wurde die Remise verlängert, um den neuen Erfordernissen gerecht zu werden und um die Wasch- und Tankanlage unterzubringen. Hinter der Remise wurde ein achteckiger Wasserturm mit gewalmter Dachhaube in verputzter Mauerwerksbauweise errichtet. Das niedrige Obergeschoss ist von dem gestreckten Untergeschoss über den aufgehenden Risaliten mit einer feinprofilierten umlaufenden Lisene getrennt. Jedes zweite Mauerfeld erhielt eine Eingangstür mit einem darüberliegenden, auf den Kopf gestellten Ochsenaugenfenster.
Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Heutige Eignerin: Infrastruktur: Land Südtirol / Gebäude: Land Südtirol, bis 2034 Nutzungskonzession für die Gemeinde Mals
Informationen und Zitate:
Bestandsaufnahme Vinschgerbahn durch die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Landesverwaltung, Abtlg. Denkmalpflege unter dem Abtlg. Direktor Dr. Helmut Stampfer, Bozen, 2000
Carmen MÜLLER; <em>Meran-Mals, Vinschgau – auf den Spuren einer stillgelegten Bahnstrecke</em> folio-, Verlag Wien Bozen, 2001
Hans WIESER, <em>Bevor die Lok dreimal pfeift… – Gedanken zur Vinschgerbahn</em>, Videodokumentation RAI Bozen
Elisabeth BAUMGARTNER, <em>Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol</em>, Innsbruck, Haymon, 1990
Wittfrieda MITTERER Hrg., <em>Zeitzeichen der Technik</em>, Edizione Raetia, Bozen, 1993
Hans-Jürgen und Carlo ROSENBERGER, <em>Die Eisenbahnen in Südtirol</em>, Athesia, Bozen, 1993
<em>Nutzungskonzepte für verwaiste Bahnhöfe</em>, Text: Elisabeth BAUMGARTNER, Koordination: Wittfrieda MITTERER; Kuratorium für Technische Kulturgüter; Bozen, 2002
Auskunftspersonen:
Dr. Klaus KEMENATER, Geschäftsführer der STA, Bozen
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv
Südtirol – Vinschgau
Bahnhofstr. 32/C
I-39024 Mals
STA (Infrastruktur)
Gerbergasse 60
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-312811
Webseite: http://
SAD (Fahrbetrieb)
Italienallee 6/N
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-450111
Webseite: http://







