05. Die Eggentaler Straße
Wer heute von Bozen aus ins Eggental fährt, bekommt vom ursprünglichen Charme der engen, kurvigen Straße zwischen steilen Felswänden kaum noch etwas mit. Die Eggentalschlucht, einst ein äußerst beliebtes Fotomotiv, ist heute nämlich nahezu vollständig untertunnelt.
DATEN
Der Bau der Straße durch das Eggental gilt als eine straßenbauliche Pionierleistung – vor allem aufgrund der geomorphologischen Gegebenheiten. Steile Porphyrwände, enge Schluchten und brüchiges Gestein schienen lange Zeit ein unüberwindbares Hindernis für den Bau einer Straße in der Talsohle zu sein. Bevor die Straße durch die wilde Eggentaler Schlucht gebaut wurde, mussten die Bewohner der Gemeinden Karneid und Welschnofen die alten Verbindungswege über Gummer, Steinegg und Karneid nutzen. Die Bürger der Gemeinde Deutschnofen gelangten über das Brandental in ihre Heimatgemeinde.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war man daher bemüht, diese Umwege zu verkürzen, und setzte sich für den Bau einer Straße ein, die dem Verlauf der Talsohle folgen sollte. 1859 war es schließlich so weit: Der schwierige Straßenbau wurde in Angriff genommen und – erstaunlicherweise – nach nur achtmonatiger Bauzeit fertiggestellt. Dies war nicht zuletzt der positiven Zusammenarbeit der drei Gemeinden Karneid, Deutschnofen und Welschnofen zu verdanken. Am 20. Dezember befuhr das erste Fuhrwerk die 21 km lange Strecke durch das Eggental. Die Bauleitung hatte Ing. Schweighofer innegehabt; die Baukosten beliefen sich auf 140.000 Kronen, die von den beteiligten Gemeinden aufgebracht werden mussten. Im Gegenzug erhielten diese das Recht zur Mauterhebung. Allerdings mussten sie schon bald weitere 100.000 Kronen für Ausbesserungsarbeiten, Sprengungen und Brückenbauten aufwenden.
Bald stellte sich heraus, dass die neu erbaute Eggentaler Straße eine Sackgasse bildete, die in Welschnofen endete. Obwohl der Übergang über den Karerpass uralt ist, führten damals von Welschnofen aus nur schlechte Wege hinüber ins Fassatal. Mit dem zunehmenden Fremdenverkehr machte sich der Mangel einer Fahrstraße über diesen wichtigen Pass immer unangenehmer bemerkbar. Nach 15 Jahren vergeblicher Bemühungen auf verschiedenen Entscheidungsebenen wandten sich die Berggemeinden im Jahr 1891 schließlich an die Sektion Bozen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins und baten um deren Vermittlung. Der Obmann der Sektion, Alois Wachtler, nahm sich der Sache mit großem Engagement an und gewann auch die Sektion Meran für das Vorhaben. Im Frühjahr 1894 wurde mit dem Bau der Fortsetzungsstraße von Welschnofen über den Karerpass nach Vigo di Fassa begonnen. Gegen Ende der Reisesaison, im September 1896, wurde die Straße fertiggestellt. Gleichzeitig mit dem Bau der Straße von Welschnofen nach Vigo di Fassa wurde auch das Karerseehotel errichtet, das 1896 eröffnet wurde. Weitblickende Bewunderer der Naturschönheiten des Karerseegebiets und der Dolomiten schlossen sich zusammen und gründeten die „Vereinigung der Alpenhotels“, der auch das Karerseehotel angehörte. Die treibenden Kräfte hinter der Erschließung dieser einzigartigen Bergwelt waren Alois Wachtler, Obmann der Sektion Bozen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Theodor Christomannos, Obmann der Sektion Meran, sowie Johann Santner, der als „Schlernvater“ bekannt war. Das Karerseehotel wurde nach den neuesten Erkenntnissen im Hotelbau und in der Fremdenverkehrstechnik errichtet und ausgestattet. So ließ die „Vereinigung der Alpenhotels“ gleichzeitig mit dem Hotel auch ein eigenes Elektrizitätswerk errichten, das den gesamten Hotelkomplex mit Strom versorgen sollte. Es war das erste Elektrizitätswerk überhaupt, das in Tirol gebaut wurde. Mit der Eröffnung des Karerseehotels und der Karerpassstraße wurde 1896 auch ein regelmäßiger Postkutschendienst eingerichtet, der in den Sommermonaten von Ende Mai bis Mitte September verkehrte.




