16. Die Hängebrücke von Mauls

16. Die Hängebrücke von Mauls

Freienfeld
1903
Die Hängebrücke von Mauls verbindet die beiden Ufer des Eisacks

Nach dem weiten Talboden von Sterzing wird die Talenge bei Mauls durch die waldreichen Berghänge, die Brennerstraße, die Brennereisenbahn, die Brennerautobahn sowie durch den Flussraum des Eisacks geprägt. Beim Bau der Eisenbahn 1867 entdeckte man dort römische Münzen, Grabfunde und einen römischen Meilenstein aus der Zeit des Septimius Severus (201 n. Chr.). Aus Mauls stammt auch der berühmte Mitrasstein, der heute im Museum in Sterzing aufbewahrt wird.

DATEN

Sammlung: Brücken und Viadukte
Bezirk: Eisacktal
Aktueller Zustand: Ruine/baufällig
Für Publikum zugänglich: Nein
Inbetriebnahme: 1903

Die eiserne Hängebrücke beim „Seeber“ verbindet in der Blickachse zur Maulser Pfarrkirche die beiden Ufer des Eisacks und ist ein bautechnisches Originaldokument aus der Zeit, als der Fremdenverkehr durch die Brennerbahn aufblühte. Die Reisenden, die am Bahnhof auf der orografisch rechten Seite ausstiegen, sollten so bequem wie möglich zu Fuß zu den Gasthöfen „Beim Blauen Hecht“ (heute Seeber) und „Zum Einhorn“ (heute Stafler) auf der gegenüberliegenden Flussseite gelangen. Die Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bombentreffer beschädigt, war jedoch bis 1992 begehbar. Heute ist sie baufällig. Es bestehen Bemühungen, die malerische Brücke, die als Vorbild für die nachgebaute Hängebrücke von Stams in Tirol diente, zu sanieren und in das weitverzweigte Wanderwegenetz des Wipptales zu integrieren.

Die originalen Typenpläne, an denen sich der Projektant 1903 bei der Planung der ersten und einzigen Hängebrücke Südtirols orientiert haben dürfte, befinden sich im Staatsarchiv in Wien. Die historischen Pläne im Besitz der Familie Seeber weichen jedoch in Maßen und Gestalt erheblich von der realisierten Brücke ab. Die echte Hängebrücke von Mauls ist in Struktur und Erscheinung ein Unikat und steht als technisches Baudenkmal seit 2012 unter Denkmalschutz. Entlang der gesamten Brennerbahn von Bozen bis Innsbruck handelt es sich um die einzige Hängebrücke in dieser Bauweise.

Das Tragwerk der Brücke weist eine Spannweite von rund 39 m auf, die lichte Breite beträgt 1,10 m. Die Konstruktion besteht im Einzelnen aus Pylonen mit Ankerblöcken, zwei Tragkabeln, Hängestäben mit Seilklemmen und Bodenplatten sowie dem nicht mehr vorhandenen hölzernen Fahrbahnbelag. Die beiden gewölbten Steinportale aus Grassteiner Granit tragen die Sattellager. Das Ende der Tragkabel wird über teilweise offenliegende Sattellager in die Ankerblöcke geführt. Die maximalen Zugkräfte werden in die aus Steinquadern gemauerten Fundamente abgeleitet, die bis in den untersten Bereich der Uferböschung reichen. Über Spannschlösser werden die Tragkabel kraftschlüssig mit dem Fundament verbunden.