17. Die Hohe Brücke bei Franzensfeste
Eine ungewöhnlich kühne Konstruktion wählte Südbahn-Baudirektor Karl Prenninger für die Hohe Brücke über den Eisack bei Franzensfeste. Die Brücke ruht auf sechs massiven Pfeilern, die im Querschnitt aus statischen Gründen kreuzförmig gestaltet sind – wohl auch deshalb stützen die beiden mittleren Pfeiler noch heute die inzwischen mehrfach erneuerten Tragwerke.
DATEN
Es ist dokumentiert, dass die Brücke 1889 erstmals eingezogen wurde. Für den 16. April 1901 liegt ein detaillierter Bericht vor: Eine 64 Mann starke Arbeitstruppe begann nach der Durchfahrt von Zug Nr. 402 um 12.20 Uhr mit den Vorbereitungen. Zunächst musste der Oberbau von 16 Arbeitern beim Pfeiler 2 abgetragen werden. Je zwei Mann standen bei Mittel- und Endpfeiler bereit, um die Konstruktion aufzuschließen und die Triebrollen aufzukeilen. Danach konnte der Gitterträger angehoben werden. 16 weitere Eisenbahner demontierten zügig die Eisenkonstruktion, während 30 Mann an den Winden arbeiteten, um das Tragwerk 4 m zurückzuziehen. In knapp einer halben Stunde war das Manöver abgeschlossen. Zusätzlich standen 64 Mann als Reserve bereit – insgesamt 128 Arbeiter! Das eigentliche Zurückschieben der Brücke dauerte 18 Minuten. Nach weiteren 51 Minuten konnte der nächste Zug die Brücke wieder befahren. Laut Befund der Kommission, bestehend aus Militärexperten und Vertretern der Südbahngesellschaft, lautete das Ergebnis: „Durch die Probe hat sich die Commission überzeugt, dass die Einzugsvorrichtung in vollkommen gutem und betriebsfähigem Zustand ist.“ Bis zur Abtretung der Bahn an die italienischen Staatsbahnen nach 1919 wurde der Einzugsmechanismus im Zweijahresrhythmus gewartet. In den 1970er-Jahren wurde im Zuge der Sanierungsarbeiten an der Pustertalbahn das Triebwerk abgebaut.
Die Trassenführung der Pustertalbahn (Franzensfeste–Lienz) durch die Festung Franzensfeste erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch des Reichskriegsministeriums. Einige Kasematten mit Geschützbatterien mussten der Bahn weichen. Ingenieur Karl Prenninger erhielt vom Kriegsministerium die klare Weisung, die Trasse so zu planen, dass aus den vorbeifahrenden Zügen kein Einblick in die Festung möglich war. Am Eintritt des Schienenwegs in die Festung befindet sich heute die Militärhaltestelle, die seit 1944 unzugänglich war und 2017, anlässlich der 150-Jahr-Feier der Brennerbahn, auf Initiative des Kuratoriums für Technische Kulturgüter wieder instand gesetzt wurde.
Die Brücke ruht auf sechs massiven Pfeilern, die im Querschnitt aus statischen Gründen kreuzförmig gestaltet sind – wohl auch deshalb stützen die beiden mittleren Pfeiler noch heute die inzwischen mehrfach erneuerten Tragwerke. Ihre Höhe beträgt 32 m, an der Stützfläche der Träger messen sie 5,30×5,60 m und verstärken sich nach unten. Die übrigen Pfeiler waren etwas niedriger, mit einem Querschnitt von 2,50×3,90 m im obersten Bereich.
Zwei Widerlager, als „Pfeiler“ 1 und 8 bezeichnet, dienten an beiden Brückenenden als Auflage. Zuerst musste ein Lehrgerüst errichtet werden – eine gigantische Holzkonstruktion, deren Kosten allein 40.000 Gulden betrugen. Bei strategisch wichtigen Brücken waren Pulverkammern für eine kontrollierte Sprengung vorgesehen. In Franzensfeste entwickelten die Techniker jedoch eine raffiniertere Lösung, um dem Feind im Bedarfsfall den Zugang zu verwehren: Das Tragwerk zwischen Pfeiler 1 und 2 war beweglich und konnte um 4 m zurückgezogen werden.





