13. Die Waalwege

13. Die Waalwege

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Marlinger Waalweg, Foto Hanspaul Menara

 Waale sind sehr alte Bewässerungskanäle und zugleich Zeugen einer jahrhundertealten Kultur in Südtirol, insbesondere im Vinschgau und im Burggrafenamt. Warum gerade dort? Das hängt mit dem dortigen, sehr trockenen Klima zusammen: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in diesem Gebiet beträgt lediglich zwischen 500 und 600 mm pro Jahr. Längere Trockenperioden während der Vegetationszeit sind keine Seltenheit. Um eine ausreichende Wasserzufuhr für Äcker, Wiesen und Felder sicherzustellen, entwickelten die Menschen in diesen Regionen ein äußerst verzweigtes und ausgeklügeltes Netz an Bewässerungskanälen. Die Waale waren bis vor wenigen Jahrzehnten mit einer Gesamtlänge von 600 km in Betrieb. Inzwischen sind es nur mehr knapp 20, da moderne Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft Einzug gehalten haben. Das Funktionieren eines Waal-Bewässerungssystems wurde von einem sogenannten Waaler überwacht, der dabei eine Waalschelle zur Kontrolle nutzte. Ein kleines Wasserrad, an dem ein Bolzen befestigt war, trieb dabei einen Hammer an, der regelmäßig auf ein Wasserblech schlug. Der gleichmäßige Klang der Waalschelle signalisierte dem Waaler den konstanten Durchfluss des von einem Bach abgeleiteten Wassers. Eine eigene Vorrichtung, Schweller genannt, diente der Wasseraufteilung, indem sie das Öffnen und Schließen kleiner Schleusen ermöglichte. Ein präziser Zeitplan sowie ein verbindliches Wasserrecht (Wasserurbare) regelten die Wasserverteilung unter den einzelnen Bauern. Eine landwirtschaftliche Fläche ohne Wasserrecht hatte somit nur einen sehr geringen Wert.

 

DATEN

Sammlung: Ingenieurbauten
Bezirk: Burggrafenamt

Vor vielen Jahrhunderten angelegt, dienten die Waalwege ursprünglich dem Waaler zur Kontrolle, Pflege und Instandhaltung der Waale. Heute sind aus den alten Pfaden entlang der Bewässerungskanäle beliebte Wander- und Spazierwege geworden, die das ganze Jahr über begehbar sind. Sie verlaufen meist in regelmäßigem Gefälle, da auch die Waale selbst nur ein geringes Gefälle aufweisen. Lediglich der Zugang und der Abstieg vom Waalweg können stellenweise etwas steiler sein. Knapp zwei Dutzend dieser Waal-Wanderwege ziehen sich im Vinschgau am Sonnenberg oder Nördersberg entlang; ein weiteres Dutzend befindet sich im Meraner Land, vier weitere im Passeier. Jeder einzelne Waalweg hat seinen ganz eigenen Reiz: sei es der weite Ausblick auf die umliegende Landschaft, auf Natur- und Kulturlandschaften, sei es der schattenspendende Wald im Sommer oder die sonnige Lage, die besonders im Spätherbst und Winter gefragt ist, sei es der Blick auf Burgen und Schlösser, auf Wasserfälle oder imposante Berggipfel.

Der längste von allen ist der Marlinger Waalweg mit einer Länge von 12 km; er beginnt an der Brücke in Töll und endet in Lana. Weitere beliebte und bekannte Waalwege sind der Algunder Waalweg, der Brandis Waalweg, der Maiser Waalweg, der Partschinser Waalweg, der Oberwaal, der Kaandlwaal sowie der Neuwaal, der zu den höchstgelegenen zählt.

Um dieser jahrhundertealten Bewässerungstechnik der Waale die verdiente Anerkennung zukommen zu lassen, bemüht sich Südtirol bereits seit längerer Zeit um die Aufnahme in das immaterielle Kulturerbe. Die traditionelle Bewässerungsmethode auf der Malser Haide im Obervinschgau wurde nun in die Repräsentative UNESCOListe des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Mit einer Dauerausstellung erzählt das Vuseum in Schluderns (das Vintschger Museum) von der Geschichte der Waale, von der Flora und Fauna entlang der Wege und zeigt auf, warum diese Wasserläufe den Vinschgau bis heute prägen.