20. Etschhafen Branzoll
Die Lände von Branzoll ist der einzige heute noch erhaltene Floßhafen südlich des Alpenhauptkamms. Mit ihrer über 100 m langen Helling zum Binden der Flöße zählt sie zu den bedeutendsten Technikdenkmälern Südtirols.
DATEN
Bevor der Bau der Eisenbahnlinie Verona–Bozen im Jahr 1859 dem Warentransport auf dem Wasser ein Ende setzte, wurde die Etsch über sechs Jahrhunderte hinweg von Flößen, Handelsschiffen, Fähren und Fischerbooten belebt. Lediglich der Holztransport in den Süden wurde noch bis zum Ersten Weltkrieg flussabwärts per Flößerei durchgeführt. Doch auch dieser fand schließlich ein Ende – durch die Regulierung des Flusses und den Bau von vier Staudämmen zwischen Mori und Verona.
Für den Erhalt des Technikmonuments der Lände von Branzoll setzte sich der Etschhafenverein Branzoll ein, der unter anderem 1993 ein im Hochwasser versunkenes und aus dem Jahr 1885 stammendes Boot erfolgreich bergen ließ. Obwohl der alte Branzoller Hafen beim Bau der neuen Pfattner Brücke fast vollständig zugeschüttet worden war, ließ das zuständige staatliche Bauamt die Hafenfläche wieder freibaggern. In der sogenannten „Dogana“ von Branzoll, einem ehemaligen Zollgebäude, befanden sich im 19. Jahrhundert das Warenlager und die Verwaltung der „Compagnia degli spedizionieri di Sacco“. Die letzte Fähre, die auf der Etsch zwischen dem Reschensee und der Adria verkehrte, gehörte der Familie Defranceschi vom „Fischerhof“ in Girlan. Sie war Teil des alten Fußwegs von Oberau nach Überetsch. Mit der sukzessiven Verlagerung der Eisackmündung nach Süden war der Übergang vom Bozner Raum ans linke Etschufer schließlich nicht mehr möglich – die Fähre wurde nur noch privat genutzt. Für den Warentransport auf der Etsch verwendete man Kisten, Ballen und vor allem Fässer – nicht nur für Flüssigkeiten, sondern auch für empfindliche Waren, die darin besser geschützt waren. Ihr weiterer Vorteil: Sie ließen sich rollen, stapeln und so leichter verladen.
Die Etsch ist mit 415 km der zweitlängste Fluss Italiens. Sie entspringt am Reschenpass, durchfließt den Reschen- und den Haidersee, passiert Meran, Bozen und Verona und mündet schließlich bei Chioggia in die Adria. Auf 297 km ist sie schiffbar, auf Südtiroler Gebiet erreicht sie eine maximale Breite von 78 m und eine Tiefe zwischen 3 und 5 m. Von den nördlichsten An- und Ablegeplätzen Terlan und Kardaun ging einst die Reise über Neumarkt, Branzoll, Trient und Sacco bis Verona. In der Österreichischen Nationalbibliothek und im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck finden sich Pläne aus dem 18. Jahrhundert für einen Schifffahrtskanal über den Brenner. Dieser sollte die Wasserwege von Inn und Etsch miteinander verbinden, wurde jedoch nie realisiert.



