24. Kabinenbahn Marinzen

24. Kabinenbahn Marinzen

Kastelruth
1972
Seit 2024 befördert die neue Kabinenbahn ganzjährig die Gäste. Im Hintergrund das Bergmassiv von Santner und Euringer

Die Marinzenbahn prägt seit den 1970er-Jahren die touristische Entwicklung von Kastelruth. Aus einem kleinen Skigebiet mit Schleppliften und Korblift entstand ein beliebtes Sommer- und Winterausflugsziel für Einheimische und Gäste. Seit Juni 2025 bringt eine moderne 10er-Kabinenbahn Besucher in nur viereinhalb Minuten auf die Marinzen Alm. Mit Panoramaverglasung, hoher Förderleistung und familienfreundlichen Angeboten verbindet sie Komfort, Erlebnis und eine nachhaltige Entlastung des Ortszentrums.

DATEN

Sammlung: Bergbahnen
Bezirk: Kastelruth
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
Inbetriebnahme: 1972

Bereits im Sommer 1972 begann eine bemerkenswerte Entwicklung für den Tourismus in Kastelruth. Damals bestand großes Interesse daran, einen Lift von Kastelruth auf die Marinzen Alm zu errichten. Dies war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die den Ort und die Region nachhaltig prägen sollte. Kastelruth war zu jener Zeit touristisch noch ein weißer Fleck auf der Landkarte.

Durch die Pionierarbeit vieler Einheimischer konnte im Winter ein kleines Skigebiet mit lediglich drei Aufstiegsanlagen entstehen: zwei Schleppliften (Guns und Fenter) sowie dem legendären Korblift, der die Gäste auf die Marinzen Alm brachte. Die Schlern GmbH errichtete zunächst den Spitzbühllift und anschließend den Marinzenlift. Der Korblift galt damals als moderne Aufstiegsanlage, doch bereits 14 Jahre später – 1986 – entsprach er nicht mehr den Anforderungen. An seiner Stelle errichtete die neu gegründete Marinzen GmbH einen neuen Zweier-Sessellift, der im Winter Skifahrer und im Sommer Ausflügler auf die Marinzen Alm beförderte. Auch diesmal war es wieder eine Gruppe engagierter Dorfbewohner, die unentgeltlich arbeiteten und so den Bau und Betrieb ermöglichten.

1998 folgte der Bau einer modernen Beschneiungsanlage, die den Skibetrieb auf der Marinzen Alm auch in den folgenden Jahren sicherte. Kastelruth entwickelte sich zu einem Hotspot des internationalen Skirennsports. Die Aufstiegsanlage war im Winter vor allem bei Einheimischen beliebt. Da es jedoch keine Verbindung zur Seiser Alm gab, blieb das Skifahreraufkommen begrenzt. Besonders populär war das Skifahren unter Flutlicht: Zwei- bis dreimal pro Woche konnten Besucher von 19 bis 22 Uhr die attraktive Abfahrtspiste nutzen und den Abend gemütlich in der Marinzen Hütte ausklingen lassen. Auch im Sommer lockte die Marinzen Alm zahlreiche Gäste an, die das Gebiet als wahres Juwel entdeckten. 1991 wurde die Marinzen Hütte errichtet, die sich rasch zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Urlauber entwickelte.

Stillstand gab es nicht: 2020 wurde das Projekt „Marinzen Bahn“ ins Leben gerufen. Rasch entschied man sich für eine Zehner-Umlaufkabinenbahn. 2023 erhielt das Vorhaben die Genehmigung der zuständigen Landes- und Gemeindebehörden. Im November 2024 begann die Gesellschaft – mit knapp 200 Kleinaktionären, die durch eine Kapitalerhöhung zum Projekt beitrugen – mit dem Abriss des alten Sesselliftes. Dieser war in wenigen Tagen abgeschlossen. Unmittelbar danach begann der Neubau, der innerhalb weniger Monate fertiggestellt wurde. Bereits am 1. Juni 2025 konnte die neue Anlage in Betrieb gehen.

Die neue Zehner-Kabinenbahn der Firma Leitner AG überwindet 428 m Höhenunterschied auf einer Länge von 1.627 m. Zum Einsatz kommen 28 moderne Kabinen des Typs Diamond EVO in der Ausführung X-Line Deep mit Panoramaverglasung. Eine Kabine hat einen Glasboden – ein Highlight, das vor allem Kinder begeistert. Der Antrieb der Bahn befindet sich an der Bergstation und besteht aus einem leistungsstarken Leitner DirectDrive. Die Marinzenbahn erreicht eine Förderleistung von bis zu 2.400 Personen pro Stunde bei einer Fahrzeit von nur 4 Minuten und 31 Sekunden sowie einer Geschwindigkeit von 6 m/s.

Auf der Marinzen Alm entstand ein neuer Spielplatz, der besonders Familien anzieht. Die Talstation wurde nach den Vorgaben des Landes komplett eingehaust, um den Lärm im Ortszentrum zu reduzieren und den Anwohnern mehr Ruhe zu bieten