06. Kabinenbahn St. Andrä–Kreuzboden
Die Plosebahn blickt auf eine lange Geschichte zurück: Erste Pläne entstanden bereits 1907, wurden jedoch wegen fehlender Finanzierung und Widerständen in der Bevölkerung lange nicht umgesetzt. Mit dem wachsenden Tourismus und Wintersportinteresse wurde 1964 schließlich die erste Seilbahnverbindung von Brixen über St. Andrä nach Kreuztal eröffnet. In den 1980er-Jahren folgten eine umfassende Erneuerung der Anlagen sowie neue Sessellifte. Seit Sommer 2023 bringt eine moderne, barrierefreie 10er-Kabinenbahn Gäste in nur acht Minuten von St. Andrä auf die Plose und bietet mit ihrer Mittelstation noch bessere Verbindungen zu Wander-, Bike-, Ski- und Rodelangeboten.
DATEN
Die ersten Überlegungen, eine Bahn auf die Plose zu bauen, gab es schon ab dem Jahr 1907, also noch vor dem Ersten Weltkrieg. Trotz positiver Gutachten scheiterten alle Versuche an der ablehnenden Haltung der Bevölkerung und an der unzureichenden Finanzierung.
Daran änderte sich lange Zeit nichts, auch wenn sich ab den 1930erJahren eine gewisse Begeisterung für den Wintersport breit machte. Skirennen wurden veranstaltet, und 1947 wurde im Hotel Elefant der Skiclub Brixen ins Leben gerufen.
Mitte der 1960er-Jahre bemühte sich die Kurverwaltung Brixen, die touristische Erschließung des Ploseberges voranzutreiben, zumal ein erster Aufschwung im Fremdenverkehr zu verzeichnen war. Verschiedene Seilbahnexperten wie die Seilbahnbauer Hölzl aus Meran und Troyer aus Algund wurden hinzugezogen, erste Planungen und Vorschläge erarbeitet. Wegen des sehr großen Höhenunterschiedes zwischen Brixen (565 m) und der Plosehütte (2.445 m) wurde beschlossen, von Brixen bis zur Waldgrenze nach Kreuztal (2.050 m) eine Pendelseilbahn in zwei Teilstrecken zu errichten. Die erste Teilstrecke sollte von Brixen nach St. Andrä (950 m) führen und einen Höhenunterschied von 500 m überwinden, die zweite von St. Andrä nach Kreuztal mit einem Höhenunterschied von 1.100 m. Von Kreuztal aus sollte zudem ein Lift zur Plosehütte gebaut werden. Die Planungen und Vorarbeiten waren schließlich so weit fortgeschritten, dass man den Bau der ersten PloseSeilbahn angehen konnte. Dafür gründete man am 16. März 1962 eine eigene Aktiengesellschaft, die Plose-Seilbahn-AG.
Spätherbst 1962 begannen die Bauarbeiten. Unvorhergesehene Zwischenfälle verzögerten jedoch den Zeitplan, sodass der geplante Eröffnungstermin zu Weihnachten 1963 nicht eingehalten werden konnte. Fertigstellung und Kollaudierung beider Abschnitte erfolgten erst Ende Januar 1964. Am 4. Februar 1964 wurde die Seilbahn Brixen–St. Andrä–Kreuztal feierlich eröffnet. In den 1980er-Jahren zeichnete sich ab, dass der Betrieb mit unveränderter Förderkapazität nicht mehr rentabel sein würde. Fachleute kamen zu dem Schluss, dass nur eine neue Seilbahn von St. Andrä nach Kreuztal mit einer Stundenleistung von mindestens 1.500 Personen sowie zwei leistungsstarke Sessellifte zwischen Kreuztal und der Plosehütte – als Ersatz für den Korblift – die notwendige Wirtschaftlichkeit sichern könnten. Auf Basis eines bestehenden, bislang nicht realisierten Entwurfs wurde ein neues Gesamtkonzept erarbeitet. Dieses sah eine Umlaufbahn von St. Andrä nach Kreuztal vor, wobei die Talstation aus dem Ortszentrum in den sogenannten Palmstroh verlegt werden sollte, um das Dorf vom Verkehrs- und Parkplatzdruck zu entlasten. Die untere Trasse Brixen–St. Andrä wurde zunächst stillgelegt, Vorrang hatten die Sessellifte am Berg.
Um die chronischen Finanzprobleme der Plose-Seilbahn-AG zu lösen und Kapital für Investitionen zu gewinnen, mussten neue Aktionäre und Fachleute ins Boot geholt werden. Die alte Gesellschaft wurde in die „Neue Ploseseilbahn AG“ umgewandelt. Bereits 1985 konnte der Firma Leitner der Auftrag für zwei Sessellifte erteilt werden, die von Kreuztal bis oberhalb Schönboden sowie von der Rossalm zur Pfannspitze führten. Beide Anlagen gingen zur Wintersaison 1985/86 in Betrieb. Ein dritter Lift war ursprünglich vom Gablerloch zur Gablerscharte geplant, wurde jedoch in Richtung Rossalm–Ploseschutzhaus verlegt. Mit der Ausführung der Umlaufbahn St. Andrä–Kreuztal wurde die Firma Agamatic beauftragt. Im Herbst 1986 war die gesamte Anlage fertiggestellt – pünktlich zur Wintersaison 1986/87. Die feierliche Eröffnung fand am 9. April 1988 in St. Andrä statt.
Nach 36 Jahren zuverlässigen Betriebs der bis 2022 verkehrenden 6er-Kabinenbahn investierte die Plose Ski AG im Sommer 2022 mehrere Millionen Euro in den Neubau einer 10er-Kabinenbahn. Zum Einsatz kommen die komfortablen Diamond-EVO-Kabinen von Leitner, die seit der Sommersaison 2023 Wanderer, Biker und im Winter Wintersportler auf die Plose bringen. Die neue Bahn verläuft zweigeteilt: das erste Teilstück überwindet von der Talstation St. Andrä bis zur Mittelstation eine Höhendifferenz von 556 m, das zweite Teilstück von der Mittelstation bis zur neuen Bergstation auf 2.045 m eine Differenz von 424 m.
Die Gesamtfahrzeit beträgt acht Minuten, die stündliche Förderleistung liegt bei 2.400 Personen. Die Unterteilung in zwei Abschnitte sorgt für mehr Flexibilität in der Nutzung, und vor allem Wintersportler profitieren von der neuen Mittelstation durch schnellere und variantenreichere Zugänge und Verbindungen zu Ski- und Rodelabfahrten. Zudem sind Tal- und Bergstation nun vollständig barrierefrei gestaltet.










