39. Seilbahn Sulden-Schaubachhütte
Die Seilbahn Sulden–Schaubachhütte entstand aus dem Wunsch, das Madritsch- und Gletschergebiet für Skifahrer, Wanderer und Bergsteiger zugänglich zu machen. Nach einer ersten Planungsphase wurde sie 1976 als Pendelbahn eröffnet und erschloss den Ausgangspunkt für das heutige Madritschgebiet. Nach einer schwierigen Zeit in den 1980er-Jahren sicherten neue Investitionen die Zukunft der Anlage. Seit 2003 verkehrt auf derselben Strecke eine besonders leistungsstarke Pendelbahn, die als Wahrzeichen des Tourismus in Sulden gilt.
DATEN
Im Jahre 1968 haben einige Pioniere – Bergführer, Skilehrer, Hoteliers und Aktionäre aus dem Vinschgau – Pläne geschmiedet, um eine Seilbahn von Sulden zum Eisseepass zu errichten. Mit dieser Bahn sollte der Cevedalegletscher erschlossen werden, wo bereits ein Skilift und die Casattihütte standen. In dieser Phase waren die Zeiten im Tourismussektor noch schwierig; mit der neuen Bahn wollte man sowohl die Wintersaison verlängern als auch den Sommerskilauf fördern. Zudem wäre die Bahn eine Erleichterung für Bergsteiger gewesen, um den Cevedale oder die Königsspitze zu erreichen. Leider ging den Pionieren bereits nach der Planungsphase und den ersten baulichen Maßnahmen das Geld aus.
Im Jahr 1972 griff die Gesellschaft „Neue Heimat“ aus Deutschland dieses Projekt auf und wollte die Bahn zum Eisseepass verwirklichen. Während der Bauphase kamen Einwände vom Nationalpark Stilfserjoch, das Projekt musste gekürzt werden und durfte nur von 1.900 m bis zur Bergstation (neben der Schaubachhütte) auf 2.600 Meter verwirklicht werden. Dies war der Ausgangspunkt für die spätere Erschließung des Madritschgebietes, erst mit drei Schleppliften, heute mit drei Vierer-
Sesselliften und der Modernisierung der Madritschhütte im Jahr 2017.
Die Bauphase dauerte vier Jahre, so dass die neue Pendelbahn 1976 in Betrieb gehen konnte. Sie hatte eine Mittelstation auf 2.200 m Höhe und vier Gondeln mit einer Kapazität von jeweils 50 Personen. Mit einer Gesamtlänge von 2.871 m erreichte sie eine Förderleistung von 650 Personen pro Stunde.
Bei der neuen Bahn wurde die Förderleistung verdoppelt (1.300 Person/Stunde). Die neuen vier Gondeln haben eine Kapazität von je 110 Personen; somit konnten 440 Person gleichzeitig befördert werden. Zu jener Zeit – und noch bis vor wenigen Jahren – war die Bahn Sulden–Schaubachhütte die weltgrößte Pendelbahn – und der ganze Stolz Suldens. Im Jahre 2023 wurde die große Generalrevision durchgeführt.
2003 kam die alte Pendelbahn in die Jahre und sie entsprach nicht mehr den technischen und touristischen Anforderungen. Walter Klaus investierte viel Geld und ließ für das kleine Sulden die weltgrößte Pendelbahn bauen. Sie wurde auf der gleichen Strecke wie die alte gebaut, inklusive Mittelstation.
Das Jahr 1984 war für Sulden wieder ein schwieriges Jahr, da die Gesellschaft „Neue Heimat“ in Deutschland Konkurs anmelden musste und das auch zur Schließung der Seilbahn Sulden führte. Alle Mitarbeiter wurden entlassen, und die touristische Zukunft war für das gesamte Tal ungewiss. Zum Glück konnte mit Kommerzialrat Walter Klaus ein neuer Eigentümer aus Deutschland gefunden werden, der die Bahn übernommen und weiter Investitionen getätigt hat.
2004 wurde erste Anlage von 1975 erneuert und die größte Luftseilbahn der Alpen erbaut. Dabei handelt es sich um eine Pendelseilbahn mit einem Tragseil und einem Zugseil auf Seilreitern. Die Antriebsstation befindet sich auf dem Berg und die Spannvorrichtung im Tal. Das Gegengewicht der beiden Tragseile (talwärts) beträgt 174.400 kg, jenes des Zugseils (talwärts) 2 * 7.500 = 15.000 kg. Der Abstand zwischen den 2 Tragseilen beträgt 600 mm, die Anzahl der Seilreiter (Rollengefäße) pro Linie 2 (3 + 1 + 3) = 14 n. Die Strecke verläuft in 2 Abschnitten mit einer Mittelstation. Die untere Sektion überwindet eine Länge von 1.441 m bei einem Höhenunterschied von 300m. Die obere Sektion misst dieselbe Länge von 1.441 m bei einem Höhenunterschied von 410m. Die Höhe der 3 Stützen beträgt 24 / 13 / 30 m. Die 4 Kabinen befördern jeweils 110 Personen. Die max. Förderkapazität von 440 Personen am Seil galt 2003, bei der Eröffnung, als Weltrekord. Das Gewicht der leeren Kabine beträt 6.400 kg, das Gewicht der Nutzlast (110 Passagiere) 200 + 70 * 110 = 7.900 kg, das Gewicht bei voller Last 14.300 kg. Das vollbesetzte Rettungsfahrzeug wiegt 2100 kg. Die horizontale Entfernung der Seile zwischen den Stationen beträgt 2.780,61 m, der Höhenunterschied der Seile zwischen den Stationen 703,28 m, die schräge Länge der Strecke (2 Abschnitte) 2.871,44 m. Die Fahrtgeschwindigkeit (2 Motoren) erreicht 9,0 m/sek., die nominale Leistung (2 Motoren) 760 kW, die maximale Leistung (2 Motoren) 1.053 kW, die quadratische Durchschnittsleistung (2 Motoren) 583 kW. Stündlich können 1.300 Personen befördert werden bei einer Haltedauer von 80 Sekunden. Merkmale der Seile: Tragseil: Seildurchmesser (mm) 54 , Drahtdurchmesser (mm) h = 4,0, Anzahl Drähte (n.) 90 Z + 61Ø, Metall. Querschnitt (mm²) 1.902, Gewicht (kg/m) 16,01, Resistenz (kN/mm²) 1,88, Gesamtlast (kN) 3.575, Gesamtlänge (m) 4 * 3.100; Oberes Zugseil: Seildurchmesser (mm) 36, Drahtdurchmesser (mm) h = 2,30, Anzahl Drähte (n.) 186, Metall. Querschnitt (mm²) 529,3, Gewicht (kg/m) 4,80, Resistenz (kN/mm²) 2,06, Gesamtlast (kN) 1.090, Gesamtlänge (m) 1.570; Mittleres Zugseil: Seildurchmesser (mm) 32, Drahtdurchmesser (mm) h = 2,05, Anzahl Drähte (n.) 186, Metall. Querschnitt (mm²) 418,2, Gewicht (kg/m) 3,79, Resistenz (kN/mm²) 1,86, Gesamtlast (kN) 778, Gesamtlänge (m) 2 * 1.520; Unteres Zugseil: Seildurchmesser (mm) 26, Drahtdurchmesser (mm) h = 1,66, Anzahl Drähte (n.) 186, Metall. Querschnitt (mm²) 276,1, Gewicht (kg/m) 2,50, Resistenz (kN/mm²) 1,76, Gesamtlast (kN) 486, Gesamtlänge (m) 1.570; Rettungsseil: Seildurchmesser (mm) 16, Drahtdurchmesser (mm) h = 1,29, Anzahl Drähte (n.) 114, Metall. Querschnitt (mm²) 101,1, Gewicht (kg/m) 0,92, Resistenz (kN/mm²) 2,06, Gesamtlast (kN) 208, Gesamtlänge (m) 2 * 3.050;
Die Schaubachhütte befindet sich am östlichen Rand des Suldenferners. Die Hütte liegt unterhalb der Bergstation der Seilbahn auf rund 2.600 m. Sie wurde bereits 1875 vom ÖAV erbaut und nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg vom CAI Sektion Mailand neu errichtet. Seitdem nennt sich die Hütte auch „Rifugio Città di Milano“. Das Suldental zählt zu den am höchsten gelegenen Tälern der Ostalpen. Das Tal ist an drei Seiten von Gletschern umgeben. Dies bewirkt einerseits ein raues Klima, andererseits eine geringe Bewölkung während des ganzen Jahres, besonders im Winter. Die Hälfte des Niederschlages fällt an Schnee – die idealen Voraussetzungen für ein Wintersportgebiet. Das Tal ist auch im Sommer ein Wanderparadies, da es 19 Jochübergänge ermöglicht. Dennoch ist der Tourismus relativ jung, denn erst nach der Erstbesteigung des Ortler im Jahr 1804 wurde es für Bergsteiger zum attraktiven und ehrgeizigen Urlaubsziel. Im Zuge dieser Entwicklung folgten Straßen- und Hotelbauten. Die Suldner Berge gehören zu den zwei Hauptkämmen der Ortlergruppe: dem Ortlerkamm und dem Laaser-Kamm. Insgesamt weist der Gebirgsstock der Ortlergruppe die Form eines Kreuzes auf, mit dem Cevedale im Mittelpunkt, von dem strahlenförmig die vier Hauptkämme ausgehen. Um Sulden erheben sich 14 Gipfel von über 3000 m, der Ortler selbst ist der höchste Berg in Südtirol mit 3.905 m.
Pioniere im Fremdenverkehr
Pioniere im Fremdenverkehrsgebiet Sulden: Otto Schmid – Architekt, Erbauer des Hotel Sulden (S. 135) Johann Eller – Pfarrer, Erbauer der ersten Pension in Sulden (s. 129)
Zusammenarbeit zwischen der Fa. Doppelmayr und der Sulden Seilbbahn AG des Erich Pfeifer
Sulden: Geschichte – Land – Leute – Berge
AutorIn: Hurton, Josef
Herausgeber/Zeitschrift: 7., überarb. Auflage
Verlag: Athesia
Amt für Seilbahnen
Übermittlung von technischen Daten
AutorIn: per. ind. Johann Zelger
Seilbahn Sulden AG
Übermittlung technischer Daten und historischer Beschreibungen
AutorIn: Ing. Reinstadler, Ing. Oberhöfer
Seilbahnen Sulden
Sulden Nr. 127
39029 Sulden
Tel: +39 0473 613 047
Fax: +39 0473 613 112
E-mail: info@seilbahnensulden.it
Webseite: https://seilbahnensulden.it/
Ferienregion Ortlergebiet – Büro Sulden
Hauptstr. 72
I – 39029 Sulden (BZ)
Tel: +39 0473 737060
Fax: +39 0473 613182
E-mail: info@ortlergebiet.it
Webseite: https://www.vinschgau.net/de/ortlergebiet.html
Amt für Seilbahnen, Landhaus 3 b
Crispistr. 10
39100 Bozen
Tel: 0471 41 46 00
Fax: 0471 41 46 16
E-mail: https://mobilitaet.provinz.bz.it/de/home
https://www.funivie.org/web/
Auf dieser sehr umfassenden Site zum Thema Seilbahnen finden sich zahlreiche Fotos während der Umbauphase und von der neuen Seilbahn.




