Abriss Welsberger Gericht, ein kulturelles Armutszeugnis

Aus Kuratoriumssicht handelt es sich beim Gericht in Welsberg um einen markanten Bau, der mit seinem Erinnerungswert Ortsbild-prägend und wesentlicher Teil des Baubestands des Dorfes war. Im Spannungsfeld von Abriss oder Bewahrung ist das Welsberger Gerichtsgebäude der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Was bleibt ist ein Schutthaufen, der einmal weggeschafft, neuen Raum für irgendwelche Baumassnahmen bietet. Unbeschadet des Denkmalwerts des Gebäudes, der vorhanden sein mag oder auch nicht, gibt es Sonderfälle, wo ein Gebäude oder ein Objekt durch bestimmte Ereignisse und Geschehnisse Bedeutung für die Kulturgeschichte eines Landes erlangt. Aus der Sicht des Kuratoriums handelt es sich beim Gericht in Welsberg um einen markanten Bau, der mit seinem Erinnerungswert Ortsbild-prägend und wesentlicher Teil des Baubestands des Dorfes war. Die Erinnerung zu bewahren, die die Geschichte eines Dorfes mitgestaltet hat, ist Aufgabe der Verwalter und Entscheidungsträger. Seit der Industrialisierung unterliegt die Welt immer schnelleren Veränderungen. Das bedeutet, dass alte Bauten auch schneller verschwinden. Sie erhalten daher einen neuen Wert, weil sie immer seltener werden. Ob es jetzt technische Bahnanlagen sind, historische Brücken, Strassen, Staudämme oder Architektur. Das sind plötzlich immer rarere Dokumente einer technischen Entwicklung, die wir der Nachwelt erhalten wollen. Die entscheidende Frage ist die Nutzung. Was man mit den Objekten macht, hängt vom Ideenreichtum jener ab, die am Hebel der Macht sitzen und Entscheidungsbefugnis haben. Meist kann man sich es nicht leisten, nur etwas herumstehen zu lassen. Aus Sicht des Kuratoriums besteht heute die neue Chance durch die Verlagerung von Interessen auf den Bestand, durch eine kritische Haltung gegenüber den gängigen Klischees, durch das Festhalten an unseren Wurzeln, durch gezielte Information, auch solche Objekte, Gebäude und Landschaftsräume erlebenswert zu gestalten, die nicht in das klassische Bild passen, das häufig von Wirtschaftsspekulation bestimmt ist. Eine neue Form des Sehens und der Wahrnehmung ist das Ziel.