24. Bahnhof Salurn
Der im Jahr 1859 in Betrieb genommene Bahnhof wurde 2021 umfassend saniert und umgebaut. Der ursprüngliche Bauzustand des Aufnahmegebäudes sowie der nördlich davon gelegenen Lagerhalle blieb weitgehend erhalten und wurde durch neue Funktionsbauten zurückhaltend ergänzt. Bereits Ende der 1990er-Jahre waren Überdachungen für die Bahnsteige und eine Gleisunterführung hinzugekommen.
DATEN
Der Bahnhof Salurn wurde relativ weit entfernt vom Ort angelegt und steht bis heute frei und ist weithin gut sichtbar an der im ehemaligen Sumpfgebiet angeschütteten Trasse des Bahnkörpers.
Auch hier findet sich wieder die für alle österreichischen Bahnhöfe dieser Jahre klare Funktionstrennung zwischen Passagier- und Frachtbeförderung sowie Bahnhofsbetrieb. Ebenfalls getrennt wurden Abfahrts- und Ankunftsbereich. Zudem kam noch eine Trennung der Wartenden in „Reiseklassen“ hinzu.
Die Charakteristik des Gebäudes ergibt sich aus der klaren Symmetrie der Bauteile mit dem mittigen „Vestibule“ als Eingangsbereich in der Mittelachse, der die Aufteilung in Fahrkartenverkauf, Gepäckaufgabe und den Zugang zu den Wartebereichen und den Dienstwohnungen im 1. Obergeschoß übernimmt. Die Architektur des zweigeschossigen Gebäudes setzt mit ihren strengen klassischen Elementen die klare Symmetrie des Gebäudes fort. Die sieben Fensterachsen unterscheiden den Mittelrisalit mit 3 Achsen und die Seitenflügel mit je 2 Achsen. Bahnseitig springen die Seitenflügel mit je einer Achse deutlich zurück, die drei Mittelachsen sind dagegen nur geringfügig eingezogen.
Nördlich vom Bahnhofsgebäude wurde – ebenfalls freistehend – das hölzerne, langgestreckte Lagerhaus (27.60x 4,78 m) auf einem Sockel aus grob behauenen Porphyrsteinen errichtet. Es zeigt die typische Bauweise des ländlichen Magazingebäudes.
Auch hier zeigt sich – wie bei allen altösterreichischen Bahnhöfen entlang der Strecke Verona–Bozen – die klare funktionale Gliederung in Passagier-, Fracht- und Betriebsbereiche. Die Architektur des zweigeschossigen Aufnahmegebäudes folgt mit ihren streng klassischen Elementen der typischen Bahnhofstypologie der Architekten Moritz Löhr und Ernst Hranatsch. Straßenseitig markieren drei Bogenstellungen die Eingangszone, die sich auf der Gleisseite im vorspringenden Mitteltrakt mit fünf weiteren Bögen im Bereich des Bahnsteigs fortsetzen. Das flach geneigte Walmdach ruht auf der blockhaften Baumasse. Das massive Ziegelmauerwerk ist verputzt, der Sockelbereich in Natursteinmauerwerk ausgeführt. Die Fenster im Obergeschoss sind mit stark profilierten Rahmungen und Traufgesimsen versehen.
Im Bahnhofsgebäude sind heute verschiedene Vereine sowie eine Bar untergebracht. Der Umbau wurde von den Architekten Franz Kosta und Matthias Trebo durchgeführt.
Die nach Norden abgesetzte, freistehende ehemalige Lagerhalle besteht aus einer schmalen, langgestreckten Fachwerkkonstruktion mit sichtbarem Tragwerk. Ihr stützenfreier Innenraum eignet sich für vielfältige Nutzungen. Dank der Lage unmittelbar am neu angelegten Park+Ride-Platz ist sie hervorragend zugänglich.
Der Bahnhof Salurn liegt aufgrund der Trassenführung der Bahnlinie entlang der Etsch weit vom Ortskern entfernt und präsentiert sich als freistehender Baukörper in der offenen Landschaft der Etschau. Er ist weithin sichtbar auf dem aufgeschütteten Bahnkörper, der über einem ehemaligen Sumpfgebiet errichtet wurde. Bahnhof und Güterhalle ruhen auf einem massiven Schotterdamm über dem Torfboden, etwa einen Meter über dem Höchstwasserstand der Etsch.
K.K. Privilegierte Südliche Staats-Lombardisch-Venetianische und Centralitalienische Eisenbahngesellschaft (1859)
Ab 1862 K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft, unter Alois von Negrelli (1854 u. 1856-1858), Luigi Tatti (1855) und Karl von Etzel (1859). Fertigstellung: 16.Mai 1859, Einbauten Magazin 1913, Modernisierung 2003.
Informationen:
Laura Facchinelli, Die Eisenbahn Verona-Brenner, Athesia, Bozen 1995
Elisabeth Baumgartner, Kleinodien alt-österreichischer Eisenbahnarchitektur: Die Hochbauten der Brennerbahn, in Christoph Bertsch (Hrg), Industriearchäologie, Haymon Verlag 1992.
Elisabeth Baumgartner, Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Haymon Verlag 1990
Hans Jürgen und Carlo Rosenberger, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia 1993
Nutzungskonzept für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth Baumgartner, Koordination: Wittfrieda Mitterer.
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