04. Wassertonnenaufzug Ridnaun
In all den Jahrhunderten stellte der Erztransport die Bergbauunternehmer vor größte Herausforderungen: Die Erze mussten von den Abbaugruben auf der Passeirer Seite des Schneebergs zunächst über die 2.700 m hohe Schneebergscharte ins Lazzachertal gesäumt und dann mit Radschleifen und Karren hinunter nach Ridnaun gebracht werden. Von dort ging es weiter nach Sterzing und über den Brenner hinaus bis zu den Schmelzhütten im Unterinntal. Mit der Inbetriebnahme der Brennerbahn im Jahr 1867 nutzte man diese ab Sterzing auch für den Erztransport. Bereits vier Jahre später, 1871, erteilte die k.k. Bergbauverwaltung in Wien den kühnen Auftrag zum Bau der wohl weltweit größten Erz-Übertage-Förderanlage auf Schienen, um die Erze mit moderner Transporttechnik vom Schneeberg nach Sterzing zu befördern.
DATEN
Mit der Inbetriebnahme der Brennerbahn im Jahr 1867 nutzte man diese ab Sterzing auch für den Erztransport. Bereits vier Jahre später, 1871, erteilte die k.k. Bergbauverwaltung in Wien den kühnen Auftrag zum Bau der wohl weltweit größten Erz-Übertage-Förderanlage auf Schienen, um die Erze mit moderner Transporttechnik vom Schneeberg nach Sterzing zu befördern.
Etwa 50 Jahre lang war die Anlage in Betrieb, ehe sie um 1925 von der Materialseilbahn abgelöst wurde.
Die Anlage setzte sich daher aus acht steilen Bremsbergen bzw. Wassertonnenaufzügen, acht fast horizontal verlaufenden Pferdebahnstrecken und acht massiven Erzkästen zusammen. Auf den Bremsbergen wurde das Erz nur mit Gegengewicht über steilste Schienenanlagen nach unten gebremst und auf den Wassertonnenaufzügen mit derselben Technik nach oben gezogen. Als Gegenfracht füllte man Wasser ein oder lud Lebensmittel und Verbrauchsgüter für die Knappen auf. So funktionierte der Transport über die Steilhänge ohne Tier-, Menschen- oder Motorenkraft. Von der Talstation eines Bremsberges zur Bergstation des nächsten verliefen entlang der Talflanken die sogenannten Pferdebahnstrecken, auf denen Pferde die Wagen über die Schienen zogen. Diese Rollbahnen hatten ein Gefälle von ein bis zwei Prozent, sodass einem Pferd mehrere Wagen mit etwa einem Kubikmeter Fassungsvermögen angehängt werden konnten. An strategisch günstigen Punkten errichtete man Erzkästen zur Zwischenlagerung, was auch eine nur abschnittsweise Inbetriebnahme der Anlage ermöglichte. Wegen des langen Winters in der Gebirgsregion erfolgte der Transport grundsätzlich nur von Mitte Juli bis Ende August/Mitte September. Die neue Schienentransportanlage beschleunigte den Erztransport erheblich: Benötigte man zuvor mit Saumtieren und Radschleifen rund sechs Stunden vom Schneeberg bis zur Erzaufbereitung in Ridnaun, so waren es nun nur noch drei Stunden.
Die Anlage erstreckte sich vom Bahnhof in Sterzing (948 m) durch das Ridnauntal und das Lazzacher Tal hinauf bis unterhalb der Schneebergscharte (2.500 m), führte durch den Kaindlstollen ins Passeiertal und hinab zu den tiefsten Gruben des Schneebergs bei Seemoos (2.187 m). Die Gesamtstrecke betrug 27,249 km, wobei gleichzeitig ein Höhenunterschied von knapp 1.900 m zu überwinden war.
Von Mareit bis zum Schneeberg ist die Anlage heute noch nahezu lückenlos nachvollziehbar. Entlang ihrer Trasse führt ein Lehrpfad. Das Südtiroler Bergbaumuseum arbeitet seit Jahren daran, die teilweise verfallenen Bremsberge, Pferdebahnstrecken und Erzkästen zu sanieren. Mittlerweile kann der Maierner Bremsberg sogar wieder in Betrieb gesetzt werden. Dieses einzigartige Baudenkmal erfüllt ohne Zweifel die Voraussetzungen für eine Einstufung als Weltkulturerbe.


