.bahnen-groups{display:grid;grid-template-columns:repeat(3,minmax(0,1fr));gap:24px}.bahnen-groups .category-group{break-inside:avoid}.bahnen-groups h3{margin:0 0 8px}.bahnen-groups p{margin:4px 0}@media(max-width:900px){.bahnen-groups{grid-template-columns:repeat(2,minmax(0,1fr))}}@media(max-width:600px){.bahnen-groups{grid-template-columns:1fr}}Brennerbahn01. Bahnhof Brenner02. Bahnhof Schelleberg03. Bahnhof Gossensass04. Bahnhof Freienfeld05. Haltepunkt Mauls06. Bahnhof Sterzing07. Bahnhof Grasstein08. Bahnhof Franzensfeste09. Die Drehscheibe von Franzensfeste10. Bahnhof Brixen11. Druckerpresse „Klarissa“12. Bahnhof Klausen13. Haltestelle Kastelruth14. Bahnhof Waidbruck15. Bahnhof Atzwang16. Bahnhof Blumau
Bereits vor dem eigentlichen Baubeginn stand der Brennerbahnbau unter keinem besonders guten Stern. Schon bei der Vergabe der Bauarbeiten kam es zu Schwierigkeiten: Überhöhte Preisforderungen in den Offertverhandlungen veranlassten die Südbahngesellschaft, das Vorhaben in 16 Baulose zu unterteilen und diese einzeln an kleinere Unternehmen zu vergeben. Besonders anspruchsvolle Teilabschnitte wurden schließlich von der Südbahn in Eigenregie ausgeführt.
Auch die Verhandlungen mit den Grundbesitzern erwiesen sich als äußerst heikel – deren Preisvorstellungen lagen teils in beinahe unbezahlbarer Höhe und erforderten großes diplomatisches Geschick. Zusätzlich schien sich auch die Natur gegen das ehrgeizige Ingenieurprojekt zu stellen: Anhaltende Regenfälle im Sommer und Lawinenabgänge im Winter behinderten die Bauarbeiten erheblich. Was schließlich noch fehlte, war der Krieg gegen Italien. Im Juni 1866 – mitten in der Bauphase – sahen sich die Bauunternehmer gezwungen, 14.000 italienische Arbeiter zu entlassen, da der Tiroler Landsturm sich weigerte, in den Krieg zu ziehen, solange diese auf österreichischem Boden tätig waren. Damit ging die wettermäßig günstigste Bauzeit des Jahres verloren. Erst im Frühjahr 1867 entspannte sich die Lage allmählich.
Am 24. August 1867 wurde Österreichs dritte Gebirgsbahn – nach der Semmering- und der Karstbahn – schließlich ohne besondere Feierlichkeiten dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die Inbetriebnahme wurde lediglich mit einer bescheidenen Zeitungsanzeige der k.k. privilegierten Südbahngesellschaft bekannt gemacht. Eine offizielle Eröffnung unterblieb, weil Kaiser Maximilian von Mexiko, Bruder Kaiser Franz Josephs, Suizid begangen hatte und der kaiserliche Hof daher in Trauer war. Anstelle festlicher Zeremonien spendete die Südbahn die für die Feierlichkeiten vorgesehenen Mittel einem Armenfonds. Es gab keine Segnung durch einen Priester und keine Lobesrede, mit der die Mühen, Entbehrungen und Verdienste der zahllosen Arbeiter, Ingenieure und Planer gewürdigt wurden.
Und doch lässt sich eines nicht bestreiten: Mit dem Bau der Brennerbahn hat Österreich einmal mehr Eisenbahngeschichte geschrieben. Die Strecke überquert den Alpenhauptkamm in offener Linienführung und erreicht dabei eine Höhe von 1.370 m über dem Meer. Ihr Bau erforderte gewaltige Erdbewegungen: 8,33 Millionen m³ Erd- und Felsmaterial wurden ausgehoben, 350.000 m³ Trockenmauerwerk sowie 520.000 m³ Mörtelmauerwerk errichtet. Für den Gleisbau wurden 590.000 m³ Grundbausteine und Schottermaterial verwendet.
Die Trasse in Eckdaten
Trassenlänge Innsbruck–Bozen 125,340 km
Kleinster Gleisbogenhalbmesser 285 m
Gerade Streckenabschnitte 52,3 %
Bogenstrecken 47,7 %
Maximalsteigung Nordrampe 25,0%
Maximalsteigung Südrampe 22,5 %
Arbeiterhöchststand 20.600 Mann
Ingenieurtechnische Leistung im Zeichen der Sparsamkeit
Oberste Maximen beim Bau der Brennerbahn waren Wirtschaftlichkeit
und zügige Ausführung. Um diese Ziele zu erreichen, wurden die
Bauarbeiten in vielerlei Hinsicht vereinfacht – jedoch ohne dabei auf
Qualität oder Sicherheit zu verzichten. So ersetzte man aufwändige
Viadukte durch massive Erdbauten, mächtige Stützmauern durch
einfache Steinschlichtungen. Lehnenanschnitte von bis zu 45 m
Höhe sowie Dämme mit Höhen bis zu 60 m machten den kostenintensiven Bau aufwändiger Kunstbauten in vielen Fällen überflüssig.
Durch eine weitgehende Anpassung der Trasse an das bestehende
Gelände – etwa im Silltal – konnte der Brückenbau auf ein Minimum
reduziert werden. Sogar Flussläufe wurden verlegt: Das Wasser wurde
mancherorts unterirdisch durch Stollen und Wassertunnel geführt.
Besondere technische Lösungen machten den Bau der Brennerbahn zu
einer ingenieurtechnischen Glanzleistung. Um die maximale Steigung
von 25 Promille einzuhalten, waren künstliche Linienverlängerungen
notwendig – ein Umstand, der zur Anlage von Kehrtunneln und zur
Erschließung von Seitentälern führte: im Norden des Schmirntals (468
m), im Süden des Pflerschtals (761,30 m). „Auf der Sohle des Einschnitts
wurde ein Stollen geschlagen und eine Rollbahn verlegt. An mehreren
Stollenstellen wurden Schächte bis zur Geländeoberfläche emporgetrieben und zu Trichtern erweitert. Das gelöste Material fiel durch
den Schacht in die darunter bereitstehenden Rollwägen, die dann
abgefahren wurden. Diese Methode war rasch und billig, ist jedoch
von den modernen Erdbewegungsmaschinen abgelöst worden. Bei
großen Sprengungen wurden beim Brennerbahnbau erstmals auch
Kammerminen eingesetzt, die bereits damals elektrisch gezündet
wurden. Als Sprengstoff wurde Schwarzpulver verwendet, Dynamit
war ja von Alfred Nobel erst erfunden worden. Sensationell war
die erste Sprengung in Gossensaß am Fuße des Sprechensteins.
Insgesamt 35 Zentner Sprengstoff wurden in zwei Sprengsätzen,
verteilt auf drei Kammerminen, gleichzeitig gezündet. Die Explosion
verlief trotz behördlicher Bedenken erfolgreich. An die 9.500 m³
härtestes Serpentingestein wurden aus dem Berg gelöst. 50 Jahre
später war es genau diese Technik, die im Ersten Weltkrieg an der
Dolomitenfront zum Einsatz kam“. (Josef Dultinger)
Eine besonders anspruchsvolle Herausforderung stellte bereits
damals der Pflerscher Tunnel dar. Wiederholte Lawinenabgänge und
starke Wassereinbrüche führten beim Bau des Aster-Kehrtunnels im
Pflerschtal zu einer vorübergehenden Einstellung der Arbeiten. Der zuständige Bauunternehmer konnte den Auftrag nicht mehr erfüllen
– die Südbahngesellschaft übernahm daraufhin selbst die Bauleitung
und führte das Projekt in Eigenregie weiter.
Auch der Mühlbachtunnel zwischen Patsch und Matrei bereitete große
Probleme: Hangrutschungen und eindringendes Wasser gefährdeten
die Stabilität der bereits fertiggestellten Tunnelröhre. In der Folge
mussten 15 Seitenstollen angelegt werden, um die notwendigen
Sanierungsmaßnahmen durchführen zu können. Im Herbst 1865 schließ-
lich ereignete sich die Katastrophe: Der gesamte Hang oberhalb der
Bahnlinie geriet ins Rutschen und stürzte samt dem Waldbestand auf
die Trasse – und weiter in die Sill. Die aufgestauten Wassermassen
drohten den Weiterbau massiv zu gefährden. Da die Erdmassen wegen
weiterer Rutschungen nicht beseitigt werden konnten, stellte man die
Arbeiten in diesem Abschnitt ein und wich auf eine neue Tunneltrasse
aus. Der ursprünglich nicht vorgesehene Tunnel musste nach einem weiteren Gebirgseinbruch zusätzlich mit einem 4,75 m starken Widerlager
verstärkt werden, um dem enormen Gebirgsdruck standzuhalten.
Bahnhof als multifunktionale Struktur
Auch beim Bau der Bahnhöfe beschritt Carl von Etzel neue Wege: Er
besetzte die Hochbauabteilung mit einem herausragenden Architekten
– Wilhelm von Flattich, ebenfalls ein gebürtiger Württemberger, der seit
1855 als Oberingenieur bei den südlichen Staatsbahnen tätig war. Diese
hatten sich bereits durch die Berufung von Jean Maniel aus Paris zum
Generaldirektor nach Wien – dank seiner Hochbauerfahrung in Frankreich
– durch die hohe gestalterische Qualität ihrer Bahnhöfe einen Namen
gemacht. Unter Maniels Leitung entstanden die ersten Hochbau-Normalien.
Wilhelm von Flattich knüpfte daran an und entwickelte für die Bahnhöfe
der Brennerbahn (und später auch für jene entlang der Pustertallinie)
ein differenziertes System von Normplänen – für sämtliche baulichen Anforderungen und Detailfragen, von den Lage- bis zu den
Ausführungsplänen. Dieses Typenrepertoire diente den ausführenden
Ingenieuren und Architekten als Grundlage für die Anpassung an die
jeweiligen örtlichen Gegebenheiten. Größere Bahnhöfe wurden unter
der Leitung der Generaldirektion von Flattich eigens im Rahmen der
Typisierung geplant und ausgeführt.
Bemerkenswert ist an dieser Typisierung vor allem das Verständnis
des Bahnhofs als multifunktionale Struktur: Alle notwendigen Serviceeinrichtungen – Lokschuppen, Magazine, Stellwerke,
Wasserstationen, Brunnen und Werkstätten – waren darin konzeptionell integriert. Dabei wurde besonderer Wert auf Funktionalität,
Wirtschaftlichkeit, Dauerhaftigkeit und architektonische Qualität
gelegt. Dieser ganzheitliche Ansatz verleiht den Bahnhöfen entlang
der Brennerstrecke bis heute ihren hohen bauhistorischen Wert, der
in Europa einmalig ist.
Strategische Bedeutung im Krieg
Am 24. Mai 1915 trat Italien in den Krieg gegen Österreich ein – ein Schritt, der der Brennerbahn eine besondere strategische und militä- rische Bedeutung verlieh. Mit dem Vertrag von Saint-Germain im Jahr 1919 wurde die italienische Grenze an der Brennerlinie von Borghetto (wo zuvor der Grenzbahnhof in Ala lag) an den Brenner verlegt. Ab dem 1. August übernahm die Italienische Staatsbahn FS in diesem Abschnitt den Betrieb der Südbahn, die damit aufgelöst wurde. Im Jahr 1922 entstand am Brenner der sogenannte „Stern“ – eine sternförmige Wendeanlage für Lokomotiven. Bereits ab 1923 konnte die gesamte Strecke von Verona bis zum Brenner zweigleisig befahren werden. 1924 erhielt der römische Architekt Angiolo Mazzoni, der bei der Bauleitung der FS in Rom tätig war, den Auftrag zum Umbau der Bahnhöfe Brenner, Franzensfeste und Bozen. In Franzensfeste entstand ein neues Lokomotivdepot, wofür ein kleiner Berghang abgetragen werden musste. 1925 bzw. 1927 begannen schließlich die Umbauarbeiten an den Bahnhöfen Brenner und Bozen. Letzterer erhielt 1928 ebenfalls ein neues Lokomotivdepot. Zeitgleich entstanden entlang der Südtiroler Eisenbahnlinien nach den Plänen Mazzonis zahlreiche EisenbahnerWohnhäuser für das Bahnpersonal – Gebäude, die sich bis heute durch ihre eigenständige und qualitätvolle Architektursprache auszeichnen. Am 11. November 1937 wurde am Brenner ein weiteres Stationsgebäude nach Plänen von Angiolo Mazzoni zwischen den Gleisen eröffnet. In diesem Gebäude trafen sich die beiden faschistischen Machthaber Benito Mussolini und Adolf Hitler mindestens drei Mal zu Gesprächen. Im Jahr 1940 wurde das vom faschistischen Regime errichtete Kraftwerk Brixen fertiggestellt, das teilweise vom Stausee in Franzensfeste gespeist wird. Zusammen mit dem Elektrizitätswerk in Kardaun lieferte es den Strom für die Elektrifizierung der Brennerlinie. Im selben Jahr trat Italien an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein. In der Folge wurde die Brennerlinie als wichtigste Nachschublinie der deutschen Wehrmacht nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen Italien und den Alliierten mehrfach bombardiert. Im November 1944 erlitten die Bahnhöfe die schwersten Zerstörungen. Am 21. März 1945 wurde der Bahnhof Brenner von zahlreichen Bomben getroffen und lahmgelegt. Nur wenige Monate später, im Juni 1945, konnte der Verkehr auf der Brennerlinie bereits wieder aufgenommen werden. Der Wiederaufbau der Bahnhöfe in Brenner und Bozen wurde in Rekordzeit vollzogen. Der Gruber-De-Gasperi-Vertrag vom 5. September 1946 sicherte die freie Durchfahrt über die Brenner- und Pustertallinie – sogenannte „Korridorzüge“ – von Innsbruck nach Lienz. In den Jahren 1951 sowie nochmals in den 1960er Jahren wurde der Bahnhof Franzensfeste insbesondere für Viehtransporte aus Bayern erheblich erweitert. Ähnliche bauliche Maßnahmen wurden auch am Brennerbahnhof vorgenommen.